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Persönliche Botschaften

Das IOC stellt Regeln für den Umgang der Olympioniken mit Twitter & Co. auf

Jens Weinreich

VANCOUVER. Die Meldung von Lindsey Vonn kam überraschend: "Hey Leute", teilte die weltbeste alpine Skirennfahrerin auf Twitter und Facebook mit, "es wird hier jetzt eine Weile ruhig. Gemäß den olympischen Richtlinien darf ich mich bis Anfang März nicht melden". Die Nachricht verbreitete sich Ende vergangener Woche in Windeseile. 25 000 bestätigte Fans hat Vonn auf Facebook. 35 000 Menschen folgen ihren Kurznachrichten auf Twitter. Vonn ist bei den Winterspielen eine Hauptrolle zugedacht. Gerade posierte sie auf dem Olympia-Cover von Sports Illustrated. Und nun das! Das IOC verbietet Lindsey Vonn zu bloggen! Im Nu war das Thema groß in den Medien.

Das Problem war nur: Lindsey Vonn hatte die "IOC Blogging Guidelines" nicht gelesen. Vom amerikanischen Olympiakomitee USOC und vom IOC wurde sie umgehend aufgeklärt. Standesgemäß via Twitter. "Lindsey Vonn dachte, sie dürfe während der Spiele nichts posten", sagt IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams. "Das stimmt nicht. Wir haben ihr sofort die Regeln geschickt. Ich räume ein, dass sie vielleicht etwas schwer zu verstehen sind. Es ist nun mal eine neue Ära."

Kein Wort über die Konkurrenz

Das IOC hat die 13 Regeln für Vancouver im September 2009 veröffentlicht. Die "Blogging Guidelines" gelten für alle Olympia-Akkreditierte - mit Ausnahme von Journalisten. Sportler aber dürfen während der Spiele nicht journalistisch arbeiten, sondern nur persönliche Aufzeichnungen veröffentlichen, ob nun in einem Blog oder in Netzwerken. Sie sollen sich dabei auf ihre Erlebnisse beschränken, nicht aber über Konkurrenten schreiben und schon gar keine olympischen Betriebsgeheimnisse verraten.

Die Regeln wurden im Vergleich zu Peking verschärft: Sportler dürfen auf ihren Websites und Blogs keine Olympischen Ringe und auch nicht das Logo der Vancouver-Spiele benutzen. Die Rechte der Sponsoren und TV-Stationen müssen gewahrt werden. Nur so können jene Milliarden generiert werden, "die letztlich allen Sportlern und Verbänden zugute kommen", sagt Adams. Irritationen, wie sie nicht nur Vonn offenbarte, will das IOC am Dienstag beim Treffen mit allen Delegationsleitern ausräumen.

Doch die Komplexität der neuen Medienwirklichkeit lässt sich nicht in dreizehn Regeln fassen. Mark Adams spricht von Grauzonen, in die man sich vortaste. Das Bemühen ist dem IOC nicht abzusprechen. Es hat schnell gelernt, ist in den großen Netzwerken aktiv, seit einem Monat auch auf Facebook, wo es am Wochenende 770 000 Fans hatte. Das IOC hat inzwischen mit Alex Huot einen "Social Media Manager" benannt. Eigentlich bräuchte es einige Dutzend in diesem Bereich. Doch unter Präsident Jacques Rogge ist Sparsamkeit befohlen, wenngleich das Thema Neue Medien ganz oben auf der Agenda steht.

Die ersten Social-Media-Spiele

Aus Sicht des IOC waren die Sommerspiele 2004 in Athen die ersten Internetspiele, weil Dank Breitbandverbindungen erstmals großflächig Online-Übertragungen möglich waren. Die Sommerspiele in Peking werden als erste digitale Spiele geführt und haben den Mythos ausgelöscht, dass Online-Medien angeblich den TV-Anstalten das Geschäft vermiesen. Die Geschäftsfelder profitieren voneinander, schreiben IOC-Manager in ihrer Peking-Auswertung. Über die neuen Kanäle erreicht der Olympiakonzern wieder eine jüngere Zielgruppe, wie interne Analysen und eine Studie der Firma Sponsorship Intelligence beweisen.

"In Vancouver erleben wir nun die ersten Social-Media-Spiele", sagt Direktor Adams. 2012 will das IOC in London in diesem Bereich richtig Geld verdienen. Das ist der Plan, den Präsident Rogge unlängst markant formulierte: Die digitalen Medien seien "die beste Erfindung seit der Erfindung des Fernsehens".

Da wird Lindsey Vonn sicher nicht widersprechen.