Wenn heute die Rundfunkkommission der Länder zusammenkommt, um über die Regeln für das Fernsehen in Deutschland zu reden, dürfte auch die Gruppe ProSiebenSat.1 Thema sein. Deren Chef Thomas Ebeling denkt darüber nach, bei den ohnehin dürftigen Nachrichten seiner Programme noch weiter zu sparen. Ein Verkauf oder ein Umbau des Nachrichtenkanals N24 ist ebenso Teil seiner Überlegungen wie die Belieferung seiner Kanäle mit noch billigeren Nachrichten von Drittanbietern.
Ebeling tut die Nachrichten als "wirtschaftliches Problem" ab und sagt, Durchschnittszuschauer würden "nicht verzweifeln", wenn am News-Angebot geschraubt würde. Aus den Staatskanzleien dringt aber, dass die Länder überlegen, wie sie im Falle einer Reduzierung der Nachrichten bei den Privaten die gesetzlichen Vorgaben verschärfen könnten.
Bei Ebelings Konkurrenten, der RTL-Gruppe, zu der auch Vox und n-tv zählen, sieht die Situation derzeit entspannter aus. Chefredakteur Peter Kloeppel: "Hier sagt keiner: Mein Gott, die Quoten gehen runter, dann stellen wir mal die Sendung ein." Information ziehe hier im Gegenteil "richtig Zuschauer". Kloeppel spüre deshalb "keinen täglich neuen Rechtfertigungsdruck". Tatsächlich zeigt RTL, dass auch Private die Zuschauer mit Informationen locken können. Während etwa die "Sat.1-Nachrichten" im Durchschnitt 1,72 Millionen Zuschauer zieht, sind es bei "RTL-aktuell" 3,75 Millionen.
Doch trotz dieses Erfolges überlegt man auch bei RTL, wie sich das Geschäft mit den Nachrichten rechnen könnte. Die Gruppe beschäftigt gut 600 Menschen, die über alle Sender hinweg Nachrichtensendungen und Magazine wie "Explosiv" und "Extra" produzieren. Bei ProSiebenSat.1 sind es in diesem Bereich nur noch etwas mehr als die Hälfte. Die Sendungen, die bisweilen das Profil der Sender stärken und Zuschauer ziehen, bringen aber kaum Geld ein. Das ist unter anderem so, weil RTL und Co. ihre Nachrichten nicht nach Gutdünken mit Werbung unterbrechen dürfen.
RTL-Cheflobbyist Tobias Schmid sagte gestern der Berliner Zeitung: "Was wäre denn davon zu halten, wenn man das gesellschaftspolitisch Gewollte und das ökonomisch Sinnvolle nicht gegeneinander arbeiten, sondern es sich gegenseitig potenzieren ließe?" Es könne "perspektivisch nicht sein, dass Sender, die aufwendige und schwer zu refinanzierende Programme wie Nachrichten bieten, unterm Strich ökonomisch schlechter gestellt werden als die, die das nicht tun."
Bisherige Privilegien, wie die bevorzugte Senderplatzvergabe an Vollprogramme im Kabelnetz, würden sich "faktisch erledigen" - im neuen digitalen Zeitalter ist Platz für alle. Schmid denkt deshalb an ein "Bonussystem" für das Konzentrationsrecht, bessere Plätze in elektronischen Programmführern und bei der Möglichkeit für neue Werbeformen, etwa die sonst stark limitierten einzelnen Werbespots. So etwas, sagte Schmid, würde die Rundfunkbetreiber "dort packen, wo sie am empfänglichsten sind: an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit".
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Foto: Teamarbeit: Der Nachrichtenkanal n-tv beliefert auch die Sendermutter RTL regelmäßig mit Neuigkeiten.