Immer wieder geschieht es, dass private Fernsehsender, die ihr Publikum vor allem mit spannenden Werbesendungen zu unterhalten pflegen, dieses Hauptprogramm mit Sequenzen einer Quiz-Show oder mit Partikeln einer laienhaft gespielten Gerichtsverhandlung für einige Minuten unterbrechen. Dabei handelt es sich offensichtlich um Gesten tief empfundenen Respekts: Sie ermöglichen der Kundschaft, die beworbenen Produkte unverzüglich zu bestellen, ohne die nachfolgenden Werbesendungen zu verpassen, zugleich erlauben sie den Gang zur Toilette. Schon lange war zu erwarten, dass die Kundschaft für diese selbstlosen Gesten irgendwann würde bezahlen müssen, denn umsonst, sagt der Volksmund, ist nur der Tod. Folgerichtig ist in Zukunft auch der Schwachsinn nicht mehr kostenlos.
ProSieben, Sat. 1 und Kabel 1, bisher frei zu empfangen, planen, von ihren Zuschauern in den nächsten Jahren eine Nutzungsgebühr zu verlangen. So hat es soeben der Chef der Sendergruppe, Thomas Ebeling, verkündet und das Vorhaben damit begründet, es sei für die "Zukunftsfähigkeit" des Konzerns "enorm" wichtig, "Beziehungen zu den Endkunden" aufzubauen - sprich, sie zur Kasse zu bitten.
Der Mann verdient, wenn schon nicht Zustimmung, dann doch zumindest Mitgefühl. Denn seine Sorge um die Beziehungen zum "Endkunden" entspringt der tiefergehenden Sorge um die Zukunft des Konzerns. Seit er von den Beteiligungsgesellschaften ("Heuschrecken") KKR und Permira übernommen wurde, drückt ihn eine Netto-Verschuldung von 3,4 Milliarden Euro mit einer jährlichen Zinslast von 270 Millionen Euro.
Die Versuche des Konzerns, das Niveau der Sender unter Teppichhöhe zu verlegen und damit sowohl mehr "End-" als auch mehr Werbekunden zu gewinnen, hatten nur in einem Punkt Erfolg: Das Niveau wurde dauerhaft unterhalb der Wahrnehmungsschwelle positioniert. Den meisten "Endkunden" ist das vermutlich nur nicht aufgefallen, weil sie bei Eigenproduktionen der Sender die Toilette besuchen.
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Foto: Thomas Ebeling, Konzernchef, möchte Geld vom Zuschauer.