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Die Sieger der Wirtschaftskrise

Geschäftsleute und Touristen mögen Zwei- und Drei-Sterne-Hotels. Deshalb wird weiter gebaut

Uwe Aulich

Geschäftsreisende dürfen nicht mehr in teuren Hotels übernachten und Touristen gucken immer mehr auf ihren Geldbeutel, wenn sie nach Berlin kommen und ein Zimmer suchen. Ursache ist die Wirtschaftskrise. Investoren stellen sich auf diesen Trend ein, statt Luxushäuser mit vier und fünf Sternen wie in den 90er-Jahren planen und bauen sie jetzt vor allem Zwei- und Drei-Sterne-Hotels mit vergleichsweise günstigen Zimmerpreisen zwischen 40 und 80 Euro. Etwa 20 Vorhaben für neue Hotels gibt es derzeit in der Innenstadt zwischen Friedrichstraße und Alexanderplatz sowie rings um den Hauptbahnhof.

Zu den größten Investoren im Zwei-Sterne-Bereich gehört die Hotelkette Motel One aus München. An der Paulstraße in Tiergarten und An der Urania sollen Ende des Jahres zwei Häuser öffnen. Für ein weiteres Haus wurde am Spittelmarkt gerade der Grundstein gelegt, am Hauptbahnhof ist ein Hotel im Bau. "Der Markt hat sich durch die Krise und die Sparmaßnahmen der Firmen gewandelt", sagt Motel-One-Sprecherin Ursula Schelle-Müller. Weil es in Berlin nicht so viele preiswerte Hotels gebe, sei "noch Luft da. Es gibt die Nachfrage, schick aber zugleich preiswert zu übernachten."

Diese Einschätzung teilt Corinna Schuster, Direktorin des Drei-Sterne-Hotels Amano an der Rosenthaler Straße, das im August eröffnete. "Wir profitieren eindeutig von der Wirtschaftskrise. Vor einem Jahr wären Geschäftsleute von SAP oder AOK nie in ein Hotel wie unseres gekommen", sagt sie. Dass Room-Service und Restaurant fehlen, sei mitten im Szeneviertel Spandauer Vorstadt kein Nachteil. In den umliegenden Straßen gebe es genügend Gaststätten, sagt Corinna Schuster. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) meint zu dem Trend: "Die jungen Leute kommen nach Berlin und wollen auch in preiswerten Hotels wohnen. Das finde ich gut."

Die Zahlen sind stabil

Dass im Krisenjahr viele Hotels aufgemacht haben, sieht der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nicht als Problem. Die Belegungszahlen seien etwa auf dem Stand des Vorjahres und trotz Krise nur von 70 Prozent auf gut 68 Prozent gesunken, sagt Dehoga-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. Andere Metropolen wie Paris oder London mussten drastische Rückgänge verkraften. Wie Lengfelder sagt, konnten in Berlin die zurückgehenden Zahlen im Kongress- und Firmengeschäft durch steigende Touristenzahlen kompensiert werden, das Geschäft im preisgünstigen Segment boomt. "Berlin ist in, wir sind die Sieger der Wirtschaftskrise", sagt er. Sorgen macht er sich, weil die Zimmerpreise zwischen acht und elf Prozent gefallen sind, vor allem in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Musste man in einem Nobelhotel im Jahr 2008 durchschnittlich 146 Euro pro Zimmer und Nacht zahlen, sind es jetzt nur noch 131 Euro. Auffällig ist, dass Zimmer in Drei-Sterne-Häusern manchmal sogar günstiger zu haben sind als in Zwei-Sterne-Hotels. Wie Lengfelder sagt, sei Berlin mit 110 000 Betten "am oberen Limit angelangt". Trotzdem wird weiter gebaut, fast jeden Monat werden neue Vorhaben bekannt. Dabei hoffen die Investoren auch auf den Großflughafen BBI. "Die Mehrzahl der Fluggäste wird am Hauptbahnhof ankommen. Wir betrachten unser Projekt somit als Flughafenhotel", sagt Heinz H. Meermann. Nächstes Jahr will die Chamartin-Meermann-Gruppe mit dem Bau eines neuen Hotels am Hauptbahnhof beginnen.

Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat in Mitte, vermutet, dass der Bedarf an preiswerten Hotels steigen wird. Denn BBI werde künftig von vielen Billigflug-Airlines angeflogen, die Gäste wollen preiswert übernachten. Gothe: "Auch Zwei-Sterne-Häuser haben einen beachtlichen Komfort."

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635 Hotels und Pensionen gibt es in Berlin. Sie verfügen über 110 000 Betten, davon sind 15 000 Betten im preisgünstigen Low-Budget-Bereich. In Mitte gibt es mehr als 100 Hotels.

Neu gebaut wird in zentraler Lage rings um Friedrichstraße und Alexanderplatz sowie am Hauptbahnhof. Aktuell gibt es mehr als 20 konkrete Vorhaben.

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Karte: Hotels rund um den Alexanderplatz

Karte: Hotels am Hauptbahnhof

Foto: Am Hauptbahnhof will die Chamartin-Meermann-Gruppe ein Vier-Sterne-Hotel mit 470 Zimmern und Kongressbereich errichten. Darüber hinaus entstehen rund um den Bahnhof mehrere Hotels mit zwei oder drei Sternen.

Foto (2): Hotelpläne - Motel One baut am Hauptbahnhof ein Zwei-Sterne-Haus (l.), die Hospitality Alliance ein H2-Hotel (drei Sterne) an der Karl-Liebknecht-Straße, nicht weit vom Alexanderplatz entfernt.