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Einbrechende Erlöse

Der Süddeutschen Zeitung drohen harte Sparmaßnahmen

Ulrike Simon

Redaktion und Verlag der Süddeutschen Zeitung (SZ) müssen mit tiefen Einschnitten und wohl auch betriebsbedingten Kündigungen rechnen. Wie aus dem Verlagsumfeld zu erfahren ist, soll der Herausgeberrat der Süddeutschen am Dienstag Sparmaßnahmen beschließen. Für das Wochenende danach ist eine Klausur der Führungskräfte geplant. Grund für die Maßnahmen sind die Verluste, die die SZ in diesem Jahr dem Vernehmen nach erstmals in ihrer Geschichte schreiben könnte. Von im schlimmsten Fall zehn Millionen Euro ist die Rede.

Mehrere Ursachen dafür nennen Kenner des Verlags. Zum einen sind im Zuge der Finanzkrise die Erlöse eingebrochen. Die SZ, mit 442 159 verkauften Exemplaren die führende überregionale Qualitätszeitung in Deutschland, wird in diesem Jahr erstmals höhere Vertriebs- als Anzeigenumsätze erwirtschaften. Der zweite Grund sind die hohen Mietpreise für den Anfang des Jahres bezogenen Neubau am Stadtrand Münchens. Bevor die früheren Gesellschafter des Süddeutschen Verlags 2008 ihre Anteile an die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) verkauft haben, veräußerten sie diesen Neubau. Die neuen Eigentümer sitzen nun auf einem langfristigen Mietvertrag ohne jeglichen Gegenwert.

70 Kollegen abgefunden

Eigentümerin des Süddeutschen Verlags ist neben dem einzig verbliebenen Altgesellschafter, der Familie Friedmann (18,75 Prozent), die SWMH mit Richard Rebmann an der Spitze. Sie gehört zu gleichen Teilen der Medien-Union (Familie Schaub) und einer Gruppe Württembergischer Zeitungsverleger. In einer ersten Sparrunde vor einem Jahr unterbreitete die SWMH den Mitarbeitern des Süddeutschen Verlags Abfindungsangebote, die wider Erwarten von mehr als 70 Kollegen aus Redaktion und Verlag angenommen wurden. Um die Erlöseinbrüche aus dem laufenden Jahr einzudämmen, sind die Verantwortlichen aller Bereiche angehalten, bis Mitte Oktober Sparvorschläge zu unterbreiten. Bei einer Betriebsversammlung am 27. Oktober sollen die Mitarbeiter informiert werden. Möglicherweise stehen die Maßnahmen jedoch bereits fest. Von Verlagschef Richard Rebmann waren bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Auskünfte zu erhalten.

Welches Ausmaß die Einsparungen haben, wie hoch der Anteil der Sach- und Personalkürzungen ausfällt, vor allem aber, ob und auf welche Weise die Qualität des Blattes leiden wird, ist noch nicht bekannt und am Dienstag Sache des Herausgeberrats. Für die SWMH gehören dem Gremium Eberhard Ebner und Thomas Schaub an. Weitere Mitglieder sind Johannes Friedmann, der den Vorsitz hat, sowie der ehemalige SZ-Gesellschafter Christoph Schwingenstein.