Das Berliner Straßenbahnnetz soll weiter wachsen - dank der S-Bahn. Nach dieser Formel wollen die Linken einen großen Teil des Geldes investieren, das der Senat wegen der Ausfälle bei der S-Bahn in diesem Jahr einbehalten wird.
"Wir setzen uns dafür ein, dass die eingesparten Mittel bislang nicht finanzierbaren Nahverkehrsprojekten mit einem großen langfristigen Nutzen zugute kommen", sagte Jutta Matuschek, haushalts- und verkehrspolitische Sprecherin der Linken, der Berliner Zeitung. Darum sollte geprüft werden, ob die Planung und der Bau neuer Straßenbahnstrecken vorgezogen werden könnten. Sinnvoll wäre es zum Beispiel, die projektierte Trasse zum Hauptbahnhof weiter nach Westen bis zur Turmstraße zu verlängern. Auch die Straßenbahnanbindung des Ostkreuzes habe Priorität. An erster Stelle steht bei Matuschek allerdings die Strecke vom Alexanderplatz über Leipziger Straße und Potsdamer Platz zum Kulturforum.
Nach einer früheren Schätzung des Senats soll das Projekt 45 Millionen Euro kosten - wahrscheinlich wird es teurer. Klar ist aber, dass das bei der S-Bahn eingesparte Geld dieses Vorhaben zu einem beachtlichen Teil finanzieren könnte. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat angekündigt, dass Berlin für die Zugausfälle im August und September 22 Millionen Euro einbehält. Ihre Verwaltung erwartet, dass dieser Betrag bis zum Jahresende weiter steigen wird. Denn die S-Bahn kehrt nach eigenen Angaben frühestens im Dezember zum Normalbetrieb zurück.
"Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir diese Strecke als besonders sinnvoll erachten", sagte Klaus-Dietrich Matschke, der Straßenbahndirektor der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), während einer Veranstaltung des Fahrgastverbands IGEB. Auf der Ost-West-Trasse würden viele Fahrgäste erwartet. Nun hat die BVG den Senat aufgefordert, sich spätestens im April des kommenden Jahres zu diesem Bauvorhaben zu positionieren. Denn dann müsse entschieden werden, welche Straßenbahnzüge für die Linie M 4, die unter anderem zum Kulturforum verlängert werden soll, bestellt werden. Dies sehe der Zeitplan vor, den die BVG mit Bombardier Transportation, dem Hersteller der neuen Bahn vom Typ "Flexity Berlin", vereinbart habe.
Wenn die M 4 nicht nach Westen verlängert wird, wären lange Züge mit jeweils einem Führerstand ausreichend. Falls die Strecke dagegen in Zukunft zum Kulturforum führt, müssten teurere Züge mit je zwei Führerständen geordert werden. Denn an der neuen Endstation soll keine Wendeschleife entstehen.