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KOMMENTARE

Manager auf der Anklagebank

Matthias Loke

Nun also auch Ulrich Schumacher, ehemaliger Chef des Chipherstellers Infineon: Wegen des Vorwurfs der Untreue und der Bestechlichkeit muss sich der Manager derzeit vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass sich der als exzentrisch geltende Schumacher unter anderem die Teilnahme an privaten Autorennen bezahlen ließ und auch Geld kassierte, im Gegenzug dafür großzügig Sponsoring-Aufträge vergab. Schumacher bestreitet die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft in vierjähriger Ermittlungsarbeit zusammentrug.

Keine Frage, dass erst einmal die Unschuldsvermutung gilt. Man sieht aber mit gewissem Staunen und wachsendem Unbehagen, dass deutsche Spitzenmanager immer öfter mit der Justiz aneinander geraten: beispielsweise Ex-Post-Chef Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung, Siemens-Leute wegen Korruption, und gegen den früheren Arcandor-Chef Middelhoff wird wegen Untreue ermittelt. Es zeigt sich eben, dass es auf den Führungsetagen längst nicht so sauber zugeht, wie es den Grundsätzen der vielgepriesenen Corporate Governance entsprechen sollte. Die Hemmschwellen auf der Jagd nach Vorteilen für das Unternehmen oder die eigene Person sind gesunken - und das hat mit Sicherheit mit der gnadenlosen Jagd nach Rendite und Gewinn zu tun, die auch zur jetzigen großen Krise geführt hat. Die deutschen Manager haben auch in dieser Hinsicht die Globalisierung vollzogen.