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"Der fährt doch einen Bentley"

Schüler reden mit dem Finanzsenator Ulrich Nußbaum über Energiepolitik

Thorkit Treichel

Ihre Fragen an Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) haben Leon Baier und Christoph Brandt gründlich vorbereitet. Als sie vor einer Woche erfahren haben, dass der Politiker das Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung in Lichterfelde zur Einweihung ihres neuen Blockheizkraftwerks besuchen wird, haben die beiden Schüler gemeinsam mit anderen und ihrem Lehrer eine Projektgruppe gebildet. "Wir haben uns erst mal informiert, wie so ein Blockheizkraftwerk funktioniert", erklärt der 18-jährige Leon Baier.

Es ist 11.30 Uhr, der Senator ist ein bisschen spät dran. Die Schüler erzählen, welche Fragen sie ihm stellen wollen. Etwa: "Ist das Blockheizkraftwerk wirklich so umweltfreundlich? Schließlich wird es mit Erdgas betrieben", sagt Christoph Brandt (19). Das ist eine kluge Frage, aber eigentlich interessiert Leon Baier viel mehr, wie es Nußbaum privat so mit dem Umweltschutz hält. "Der fährt doch einen Bentley. Besonders umweltschonend ist der bestimmt nicht. Aber vielleicht hat er ja ein Ökohaus", sagt er. "Leisten könnte er sich das bestimmt."

Dann kommt endlich der Senator - braun gebrannt, in dunkelblauem Anzug und gepunkteter Krawatte. Freundlich begrüßt er die etwa 75 Schülerinnen und Schüler, die sich in dem großen Klassenzimmer in der ersten Etage versammelt haben. "Als Finanzsenator sitzt man immer so weit ab und entscheidet über Geld. Ich will aber die Bezirke kennenlernen und die Schulen", sagt er. Schließlich habe er selbst zwei Kinder, eine 15-jährige Tochter und einen 17 Jahre alten Sohn.

Und an dem Oberstufenzentrum werde wirklich etwas Sinnvolles geleistet. Energiekosten in Höhe von 16 000 Euro pro Jahr könnten eingespart werden. "Ich finde es gut, wenn schon jungen Menschen deutlich wird, wie man eine moderne Energiepolitik machen kann", sagt er und spricht kurz über die drei neuen Atomkraftwerke, die in Polen gebaut werden sollen, und die der Senat, wie berichtet, nicht in seiner Nachbarschaft haben will.

Jetzt soll sie eigentlich beginnen, die Fragerunde. Doch vorher wollen der Chef der Berliner Energieagentur (BEA) Michael Geißler und Sven Lemiss, der Chef der Berliner Immobilienmanagement (BIM), die die Schule verwaltet, noch etwas sagen. Die BEA- und BIM-Chefs sagen ziemlich lange was. Doch die Schüler harren geduldig aus, bis sie an der Reihe sind. Ihre Fragen beantwortet dann aber nicht der Finanzsenator, sondern hauptsächlich der BEA-Chef. Schließlich sind sie fachlicher Natur, und da ist der Energieexperte der geeignetere Ansprechpartner.

Nur einmal kommt Nußbaum zu Wort. Ein Schüler erzählt, dass die Thermostate in der Schule nicht funktionieren, so dass die Schüler im Winter immer die Fenster aufreißen müssten, weil die Räume überheizt seien. Außerdem brenne permanent das Licht, und die PCs würden nie ausgeschaltet. "Sind Sie nicht der Meinung, dass man Energie nicht nur einsparen, sondern auch nicht verschwenden sollte?", fragt der Schüler. "Das ist eine Suggestivfrage", antwortet der Senator und alle lachen. Dann verspricht er den Schülern neue Thermostate und erzählt, dass auch in seiner Verwaltung dauernd das Licht brenne, weil die zentrale Anlage veraltet sei - und dann ist die Fragerunde vorbei. Auch Leon Baier und Christoph Brandt sind ihre Fragen losgeworden. Nach dem Bentley des Senators haben sie aber nicht gefragt.

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Foto: Ulrich Nußbaum legt den Schalter um: Das Blockheizkraftwerk nimmt den Betrieb am Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung auf. 190 Tonnen CO2 sollen jährlich eingespart sowie Betriebs- und Energiekosten gesenkt werden. Die Anlage wird mit Erdgas betrieben und erzeugt Warmwasser und Wärme. Wenn es im Winter kalt wird, muss das Oberstufenzentrum mit seinen 4 000 Schülern auf das Gesamtnetz der Gasag zurückgreifen. Blockheizkraftwerke sind in weiteren öffentlichen Gebäuden geplant.