Hallihallo, liebe Leser, und wieder einmal herzlich willkommen zur Popkolumne der Berliner Zeitung; auch in den vergangenen Wochen haben wir von Ihnen zahlreiche interessante Zuschriften erhalten. So schrieb uns unser Leser Dr. Peter Eichhorn aus 13187 Berlin zum Interview mit Patrick Wolf: "Auch nach fünfmaligem Lesen habe ich noch nicht begriffen, worum es eigentlich geht. Weiter so!" Vielen Dank, das versteht sich von selbst. Aber natürlich geht es in dieser Kolumne nicht nur um Pop, sondern auch um Pop und Politik, gerade in Zeiten des Wahlkampfs. Am kommenden Donnerstag, den 13. August, um 15 Uhr, stellt etwa die aus einer Popgruppe hervorgegangene Partei "Die Piratenpartei" in Berlins heißester Pop-Szene-Location, der Bar 25, ihre politischen Forderungen vor (Anmeldung erbeten). Wobei sich freilich wieder die Frage erhebt: Haben all die jungen Leute aus Berlin-Mitte mit den schildkrötenpanzergroßen Sonnenbrillen vor dem Gesicht, die jetzt Piratenpartei wählen wollen, wirklich sonst keine Sorgen, als wie man im Internet unbeschwert an Bilder von nackten Sechsjährigen kommt? Da gibt es ja immer noch diese einschlägigen Magazine; vielleicht kann das Bundesfamilienministerium ein paar Abos spendieren, dann ist wieder Ruhe in der Piratenschiff-Badewanne. Apropos Familien: Auf wenig Gegenliebe stieß die Forderung von Justizministerin Zypries, das Adoptionsrecht auch auf schwule und lesbische Paare auszuweiten. Das diene nicht dem Wohl des Kindes, argumentierte etwa Volker Kauder von der CDU, womit ihm das bislang rätselhafteste Wahlkampfargument gelang. Denn untersagt man Homo-Elternschaft mit dieser Begründung, unterstellt man ja umgekehrt, heterosexuelle Kinder-Erzeugung würde stets durch das Interesse am Wohl des Kindes gestiftet. Nun Hand aufs Herz, liebe heterosexuelle Leser und Leserinnen: Haben Sie, wenn Sie Ihren Piephahn in eine Muschi einführten oder - sofern Sie eine Frau sind - mit Ihrer Muschi einen Piephahn einsaugten, schon mal an das Wohl von irgendeinem Kind gedacht? Also ich nicht. Andererseits: Ich wähl ja auch nicht CDU.