BERLIN. "Die Piratenpartei entert nun offiziell den Bundestag, um ihn zu ändern!", ruft Christoph Lauer in sein Bord-Megafon. Langsam tuckert das Piratenschiff am Freitag von der Marschallbrücke auf der Spree in Richtung Paul-Löbe-Haus. Anstelle eines Segels wehen zwei orangefarbene Flaggen im Wind. Die Wellen der vorbeiziehenden Touristendampfer bringen das kleine Boot kräftig ins Schaukeln. Nur fünf Piraten passen hinein. Sie sind dennoch stolz auf die symbolische Kaperfahrt zum Auftakt ihres Bundestagswahlkampfs. Die Piratenpartei setzt sich für mehr Bürgerrechte und Freiheit im Internet ein.
Während zwei Piraten am Schiffbauerdamm Flyer verteilen, liest Lauer schaulustigen Fußgängern über das Megafon aus dem Grundgesetz vor. Auch Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekommt einen Gruß: "... eine Zensur findet nicht statt". Dann ist auch schon Schluss mit der Beschallung. "Wenn wir die Bundestagsgebäude passieren, müssen wir leise sein", erklärt Pirat Andreas Nitsche, der am Steuer steht.
Lärmverbot vom Innenminister
Das Innenministerium hat ihnen die als Demonstration angemeldete Wasseraktion zwar offiziell genehmigt. Allerdings unter der Auflage, dass die Lautstärke den "Arbeitsbetrieb in den Bundestagsgebäuden" nicht stört. Dass dort gerade Sommerpause herrscht, spielt keine Rolle. Also schweigt Lauer und hält das Grundgesetz demonstrativ in die Höhe. Nebenan klicken die Kameras der Fotografen auf dem Begleitschiff der Wasserschutzpolizei.
Von der Mühlendammschleuse über das Reichstagsufer bis zum Humboldthafen geht die Tour. Auch am Sonnabend wird wieder gekapert: Ab 11 Uhr dreht die vierköpfige Piratenband "Bordkapelle" auf dem Boot ein Musikvideo zu ihrem Youtube-Song "Alle, die mit uns den Bundestag entern". Auf dem Wasserweg macht das außer ihnen allerdings niemand, erklären die Internet-Aktivisten: "Zum Mitnehmen von Passanten ist das Boot dann leider doch zu klein."
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Foto: Auf großer Fahrt für die Freiheit im Internet: die Piratenpartei in Berlin.