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Könnte klappen

Die taz-Redaktion beschnuppert ihre neue Chefin

Ralf Mielke

Das Interesse an der neuen Chefredakteurin war so groß, dass irgendwann am Mittwochabend beim lockeren Umtrunk im taz-Café die Weizenbiergläser nicht mehr reichten. Allerdings hatte Ines Pohl, die vom 20. Juli an als Nachfolgerin von Bascha Mika die linke Tageszeitung leiten soll, das Interesse an ihrer Person zuvor auch erheblich befeuert. Dem Spiegel hatte sie gesagt, dass die taz künftig wieder mehr Profil zeigen, mutiger, frecher und linker werden müsse. Die taz müsse aufpassen, nichts zu verschlafen - Aussagen, die die taz-Redaktion einigermaßen irritierten.

Also erwartete die neue Chefin am Mittwoch ein Menschenauftrieb, wie es ihn schon seit vielen Jahren nicht mehr in der taz gegeben haben soll. Der kleine Versammlungssaal jedenfalls, in dem sich Ines Pohl der Redaktion vorstellte, war bis zum Bersten gefüllt. Und natürlich stand dann auch das forsche Spiegel-Interview im Mittelpunkt der Veranstaltung. Fast zwei Stunden lang musste Pohl sich die Fragen ihrer künftigen Kollegen gefallen lassen.

Anders aber als im Spiegel habe sie sich am Mittwochabend sehr zurückhaltend gegeben, manche tazler sagen ein wenig enttäuscht: zu zurückhaltend. Ein Konzept dafür, was frecher und linker heißen solle, habe sie jedenfalls nicht präsentiert. Sie komme nicht mit einem Zehn-Punkte-Plan zur taz, das hatte Pohl vorher auch schon gesagt. Allerdings habe sie noch mal die Bedeutung des Online-Auftrittes für die Zeitung hervorgehoben - eine Aussage, der kaum jemand in der Redaktion widersprechen wird.

Es sei ein unprätentiöser Auftritt gewesen, urteilte ein Teilnehmer. Die Irritationen nach dem Spiegel-Interview seien bei den meisten ausgeräumt. Offenbar hatte Pohl dessen Wirkung unterschätzt. Zurückgenommen hat sie ihre Aussagen aber nicht.

Und in einer Frage sorgte die Neue doch noch für etwas Klarheit: was sie damit meinte, als sie dem Spiegel sagte, ihr Platz sei nicht "auf Podiumsdiskussionen quer durch die Republik". Das war als Affront gegen die noch amtierende, podiumserfahrene Bascha Mika aufgefasst worden. Aber Pohl meinte wohl nur, dass sie häufiger in der Nähe der ihrer Kollegen sein will: Nach der Vorstellungsrunde zog sie mit einem Teil der Redaktion ins taz-Café. Bis in den späten Abend hinein saßen sie beisammen, die Stimmung soll freundlich gewesen sein. Niemand, der dabei war, sagt einer, der dabei war, käme auf die Idee, dass das nicht klappen könnte mit Ines Pohl und der taz.

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Foto: Stellte sich den künftigen Kollegen der taz vor.