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Die Rückkehr des Verjagten

Stefan Aust soll für die WAZ ein Monatsmagazin entwickeln

Ulrike Simon

Die Lust, es "denen" noch einmal zu zeigen, ist dem 63-jährigen Stefan Aust anzumerken. Ein eigenes Wochenmagazin, das sonntags erscheint, gerade so, wie er es immer beim Spiegel haben wollte, das wäre was. Aust sagt, er sei keiner, der nachtritt. Lässt man den Mann, der von Ende 1994 bis Anfang 2008 an der Spitze des Hamburger Magazins stand, reden, hört es sich anders an. Er sagt dann zum Beispiel, dass der Erfolg seiner Nachfolger Glück zu verdanken sei: der von ihm aufgebauten Redaktion, die im Zweifel ohne Chefredakteur funktioniert, und der aktuellen Krise, die für Blattmacher wunderbar sei.

Aust wirkt verletzt. Schuld sind die Umstände, unter denen ihm der Posten beim Spiegel entrissen wurde. Ihm war es danach untersagt, für einen anderen Verlag zu arbeiten. Am Neujahrstag 2009 verlor die Vertragsklausel, die ihn zum Konkurrenzausschluss verpflichtete, ihre Wirksamkeit. Er hat in der Zwischenzeit viel fürs Fernsehen gedreht, schreibt unter dem Dach seines Hauses gerade ein Buch über die Wendezeit zu Ende und bereitet die Talkshow "Ihre Wahl" mit Sabine Christiansen vor. Vor allem aber hat Aust wieder den Fuß in die Tür eines Verlags gesetzt: bei der WAZ-Gruppe in Essen.

Die Firma Agenda Media, an der Aust zur Hälfte beteiligt ist, hat von der WAZ-Gruppe einen zunächst auf ein Jahr befristeten Vertrag erhalten, den Konzern "bei Entwicklungen von TV-, Internet- und Printprojekten zu beraten". Das bestätigen sowohl Aust als auch jener Mann, der den Vertrag eingefädelt hat: Austs Freund Manfred Braun, der nach vielen Jahren als Zeitschriftenmanager des Bauer-Verlags gehen musste und seit Herbst 2007 Chef der Zeitschriftensparte der WAZ ist. Dort verwaltet er Blätter wie Gong, Bild + Funk oder Frau im Spiegel. Blätter, die die WAZ-Gruppe von anderen Verlagen gekauft und saniert hat.

Im Moment machen alle Verlage dasselbe, sagt Braun: Kosten drücken, hier und da noch ein paar Stellen streichen. Die WAZ-Gruppe bildet da übrigens keine Ausnahme. Existenziell sei aber, auch Erlöse zu schaffen, sagt Braun. In Aust sieht er den Mann, der das durch seine Vielfältigkeit und Kreativität möglich macht. Also entwickelt Aust verschiedene Formate: Bewegtbilder für das Internet etwa. Er berät die WAZ auch in Fernsehfragen, schließlich verspricht ein neues Mediengesetz in Nordrhein-Westfalen Verlagen, sich zu 100 Prozent an Regionalsendern beteiligen zu können - unter der Bedingung, Drittanbietern Sendeplätze einzuräumen. Auch darin hat der Spiegel-TV-Gründer Aust Erfahrung.

Am spektakulärsten sind aber die Ideen für ein gedrucktes Magazin. Ein Bekenntnis zu Print und zum Magazinjournalismus, und das in diesen Zeiten. Hat die WAZ den Mut? Braun hofft es. Für Fingerübungen, sagt der Mittfünfziger, sei er zu alt. Schon einmal erlebte er, wie ein Magazin nicht über das Entwicklungsstadium hinauskam. Ergo hieß es. Bauer wollte damit Burdas Erfolg mit Focus wiederholen.

Diejenigen, die Austs Konzept kennen, sprechen von einem Magazin über Wirtschaft, Politik und Kultur, das so hintergründig ist wie ein Monatsheft, aber auch wöchentlich erscheinen kann. Erschiene es wöchentlich, wäre eine Einteilung nach Wochentagen statt Ressorts denkbar. Möglich wäre, es den Zeitungsabonnenten der WAZ-Gruppe am Wochenende beziehungsweise sonntags anzubieten, wobei er auf den Vertriebsweg Kiosk nicht verzichten wolle, sagt Braun.

Das Ganze erinnert an frühere Überlegungen der WAZ-Gruppe, ihre Regionalblättern Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Westfälische Rundschau, Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung und Westfalenpost (Gesamtauflage rund 850 000 Exemplare) aufzuwerten, indem ihnen am Wochenende ein Magazin beigelegt wird. Dieser Plan steckte zum Beispiel hinter der WAZ-Idee aus dem Jahr 2002, sich an der Wochenzeitung Die Woche aus dem Jahreszeiten-Verlag zu beteiligen. Der Deal platzte, weil sich die WAZ gleich den ganzen Jahreszeiten-Verlag einverleiben wollte. Bald darauf wurde die Woche eingestellt. Eigentümer der Titelrechte ist noch immer ihr Gründer, Manfred Bissinger. Er bestreitet, in die Überlegungen seines Freundes Aust und der WAZ-Gruppe involviert zu sein.

Aust hat gerade Räume an der Hamburger Elbchaussee angemietet, telefoniert quer durch die Republik und sucht unter Weggefährten nach Mitstreitern. Braun will ihn erst einmal werkeln lassen, bevor sich die Richtung konkretisiert, in die sich das Ganze entwickeln könnte.

Eine Frage bleibt - die nach der Finanzierbarkeit. Immerhin hat die WAZ-Gruppe gerade bei ihren Zeitungen in NRW 300 von 900 Stellen gestrichen, um ein Loch von 30 Millionen Euro zu stopfen. Doch arm scheint der Ruhrkonzern nicht zu sein, jedenfalls nicht mit Blick auf die Zeitschriftensparte: Er habe weder Umsatz- noch Erlösprobleme, sagt Braun. Aust zu engagieren, sei eine konsequente Investition. Er sei der Richtige, die WAZ-Gruppe voranzubringen. Das Mediengeschäft sei schließlich stets von Menschen geprägt gewesen, sagt Braun und nennt Aust in einem Zug mit Henri Nannen vom Stern und Gerd Bucerius, dem einstigen Zeit-Verleger.

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Ein Bekenntnis zu Print und zum Magazinjournalismus in diesen Zeiten. Hat die WAZ den Mut? Manfred Braun hofft es.

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Foto: Der Spiegel wollte ihn nicht mehr, jetzt hat ihn die WAZ verpflichtet: Stefan Aust berät den Essener Zeitungskonzern.