Sechs Fotografen, sechs Themen, kein Ausstellungstitel. Dies wäre in Kürze über die neue Ausstellung der jungen Loftgalerie für Fotografie von Peter Gregor in Weißensee zu sagen. Beim langen Hinschauen kommt Freude auf. Freude über die Selbstverständlichkeit, mit der sich hier künstlerische Substanz zu tief sozialer Beobachtung, Poesie und Zeitkritik fügt. Johannes Backes setzt dem abgerissenen Palast der Republik mit Aufnahmen und einem Experimentalfilm ein Denkmal - ein Mahnmal gegen den brutalen politischen Abriss und den Euphemismus, dies sei ein "Rückbau" gewesen. Loredana Nemes fotografierte in Neukölln "von draußen" die hermetischen Parallelwelten türkischer Männer, dieses "Verschleierte" der für Frauen unzugänglichen Cafés durch dichte Gardinen, Riffel- und Milchglas.
Roland Wirtz verblüfft mit wunderschönen Architektur-Kalotypien, bannt moderne Wolkenkratzer mit uralter Salzdrucktechnik, spielt mit dem Anachronistischen. Anja Lehmann wagt sich mit "Ausschuss" an die Öffentlichkeit und zeigt Hochpoetisches: unabsichtlich ausgelöste Fotos, also ein geradezu lyrisches Spiel mit dem Zufall. Und Sibylle Hoessler hat 24 Ansichten von Canyons im Mittleren Westen der USA in krassem Hell-Dunkel zu einem Wall-Street-Stimmungsbarometer verfremdet.
Größer könnte der Kontrast zu Jeff Beers Wasserbildern "Schüttungen" kaum sein. Der Fotograf und Musiker - zur Vernissage überraschte er mit einem atemberaubenden Schlaginstrument-Konzert - entnimmt der Natur seiner oberpfälzischen Heimat winzige Ausschnitte, macht sie zu dichten "Denklandschaften", zu Gemälden, die aber weder gemalt sind noch einer Computermanipulation entstammen. Nur einzig der sensiblen Seh-Arbeit des Fotografen sind sie geschuldet, diese Motive im Rhythmus von Werden und Vergehen. Geschüttetes Wasser vor Fauna entwickelt Eigen leben, das Nass wird zu einem rätselhaften Wesen, einem guten Geist, der der Welt Leben spendet.
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Loftgalerie für Fotografie, Friesicke- straße 18 (Weißensee). Bis 31. Juli, Di-Fr 12-18, Sa 11-16 Uhr.
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Foto (2) :
Ein Denkmal, fotografiert von Johannes Backes. Ein bizarrer Ruinenrest vom Palast der Republik, der verschwunden ist, "rückgebaut", wie es euphemistisch heißt, doch nichts anderes meint als gnadenlos politischen Abriss.
Schüttungen nennt Jeff Beer seine eigenartig poetischen Fotos, in denen Wasser vor dem Hintergrund von Fauna ein Eigenleben entfaltet.