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Mehr als ein Spanien-Urlaub am Meer

Reisebüro bietet Aufenthalt in Befruchtungsklinik an

Martin Dahms

MADRID. Spanien ist seit Jahren eines der beliebtesten Ziele europäischer Paare, die sich ein Kind wünschen, aber auf natürlichem Wege keines bekommen können. Das Instituto Bernabeu aus Alicante an der Costa Blanca ist eine der Befruchtungskliniken, die den Paaren bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches helfen. Im vergangenen Jahr behandelten sie 2 000 Frauen, 400 davon kamen aus dem Ausland, 200 allein aus Deutschland. "Wir wissen, dass viele von ihnen Lesben sind, wenn wir sie auch nicht ausdrücklich danach fragen", sagt die Klinikleiterin Sómnica Bernabeu. Es gibt ihn schon seit längerem, den lesbischen Reproduktionstourismus nach Spanien. Doch jetzt macht eine Reiseagentur daraus zum ersten Mal ein ganz normales Urlaubsangebot.

Eizellspende erlaubt

Das spanische Internetreisebüro Rainbow Tourism (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Reiseveranstalter Rainbow Tours), das auf ein homosexuelles Publikum spezialisiert ist, stellte ihr Angebot unter dem Namen "Fértil relax" am Freitag gemeinsam mit dem Instituto Bernabeu in Madrid vor: Rainbow bietet den Kundinnen eine Woche entspannten Urlaub an der Costa Blanca und das Instituto Bernabeu während dieser Zeit eine hoffentlich glückliche Befruchtung. Die Reiseagentur mit Sitz in Alicante wirbt vor allem um Kundinnen aus Großbritannien, Deutschland, der Schweiz und Italien. Denn anders als diese Länder "hat Spanien eine der fortschrittlichsten Reproduktionsgesetzgebungen der Welt", sagte María José Rico von Rainbow Tourism, "hier gibt es keine Beschränkungen".

In Deutschland haben lesbische Paare schon Schwierigkeiten, in einer Samenbank eine Samenspende zu erhalten: Da sind nur verheiratete Paare erwünscht. Und heiraten dürfen Homosexuelle in Deutschland nicht. Im spanischen Ehegesetz dagegen sind Homosexuelle seit ein paar Jahren Heterosexuellen in jeder Beziehung gleichgestellt. Aber auch Unverheiratete egal welcher sexuellen Orientierung haben in Spanien das Recht, sich in einer Reproduktionsklinik behandeln zu lassen. Das ist einer der Gründe, warum schon seit Jahren so viele ausländische Frauen nach Spanien zur Befruchtung kommen.

Noch unter zwei weiteren Aspekten ist die spanische Gesetzgebung liberaler als in vielen anderen europäischen Ländern: Sie erlaubt die Eizellenspende, und sie erlaubt die sogenannte Präimplantationsdiagnostik - die Untersuchung der in-vitro-befruchteten Eizelle auf Anomalien. "Wir haben ein sehr realistisches Gesetz", sagt Sómnica Bernabeu. Und schließlich ist die Anonymität der Samenspende für viele Ausländerinnen ausschlaggebend, zur Befruchtung nach Spanien zu reisen. Die von Samenspendern gezeugten Kinder haben in Spanien nicht das Recht, eines Tages ihren genetischen Vater kennenzulernen. Aus welchen Gründen auch immer lesbische Paare den Weg zu einer spanischen Befruchtungsklinik suchen: Rainbow Tourism hofft auf ein gutes Geschäft.

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Foto: Touristen erholen sich am Badestrand von Alicante.