Nein, am Freitag sei kein regulärer Bus vom Zentralen Berliner Busbahnhof nach Rumänien gefahren, sagte der Mann am Infoschalter. Am Morgen seien ein paar Roma da gewesen, sie hätten den Bahnhof am Charlottenburger Messegelände aber bald wieder verlassen. Von den mehr als hundert Roma, die am Donnerstag das Spandauer Asylbewerberheim nach zweiwöchigem Aufenthalt verlassen hatten, fehlte einen Tag später jede Spur. Die Roma hatten vom Senat Geld für ihre Heimreise erhalten, Erwachsene 250 Euro, Kinder 150 Euro. Auf diese Weise werde üblicherweise gestrandeten Touristen geholfen, erklärte die Sozialverwaltung.
Aus Angst vor erneuten Besetzungen beorderte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sofort einen Wachschutz vor einige seiner Gebäude. Vor dem Künstlerhaus Bethanien, wo etliche Roma-Familien vor zwei Wochen schon einmal illegal Räume in Beschlag genommen hatten, zog Polizei auf. Die Maßnahmen erwiesen sich als unbegründet, Roma ließen sich nicht blicken. Ob sie wie bei der Geldübergabe vereinbart die Heimreise nach Rumänien angetreten haben, blieb unklar. Nach Information der Berliner Zeitung waren für Freitag zwar zwei Reisebusse von Privatunternehmen gechartert worden. Ob und von wo diese Busse abgefahren sind, war nicht zu erfahren.
Einige Roma haben sich mit eigenen Autos auf die Weiterreise gemacht. Zwei junge Männer meldeten sich aus München und Nürnberg. Jedoch ist davon auszugehen, dass die meisten in Berlin untergetaucht sind. Dies deuteten die Roma-Unterstützer im Bethanien an. "Ich gehe nicht davon aus, dass sie die Fahrkarte in die Hölle gelöst haben", sagte eine Frau unter Hinweis auf die schwierigen Situation in Rumänien. "In Berlin gibt es genügend Möglichkeiten." Man habe Kontakte, werde diese aber nicht preisgeben - um nicht "die nächste rassistische Welle auszulösen". Den Behörden warf sie vor, die Roma erneut obdachlos gemacht zu haben.