Als Urlaubsregion steht Skandinavien bei Deutschen hoch im Kurs. Der dortige Arbeitsmarkt ist hierzulande dagegen noch nicht in gleichem Maße ins Bewusstsein gerückt. Das sich dies bald ändert, hofft Tobias Billström, Schwedens Minister für Migration und Asyl. Der Krise zum Trotz hat er soeben das schwedische Zuwanderungsgesetz reformiert: Ausländische Arbeitskräfte müssen demnächst weniger Hürden überwinden, um in Schweden beruflich Fuß fassen zu können.
Aus Liebe nach Finnland
Neben jungen Akademikern möchte Billström Handwerker ins Land holen. Schweißer und CNC-Dreher werden in der Industrie gesucht, Elektriker oder Installateure sind in ländlichen Gebieten rar. "Ich warne aber davor, blauäugig zu sein", sagt Lisa Dobrosch von der Deutsch-Schwedischen Handelsgesellschaft. "Viele Deutsche lassen außer Acht, dass es besonderer Qualifikationen und einer guten Vorbereitung bedarf, bevor man auf dem ausländischen Arbeitsmarkt konkurrieren kann." Die Handelsexpertin hält es für wesentlich, dass deutsche Arbeitnehmer gut Schwedisch sprechen und die Besonderheiten der regionalen Kultur kennen. Zudem ist Schweden bereits von der Wirtschaftskrise betroffen und die öffentliche Hand zum Sparen angehalten. Dies führt zu Einstellungsstopps -auch im Gesundheitswesen, obwohl vielerorts Ärzte und Pflegepersonal fehlen.
Ähnlich ist die Lage in Finnland und Norwegen. Zwar meldet das finnische Arbeitsamt Bedarf in den Bereichen Vertrieb, Gesundheitswesen und Gastronomie, jedoch liegt die stetig steigende Arbeitslosigkeit im europäischen Trend. Derzeit leben nur knapp 3 000 deutsche Arbeitnehmer mit ihren Familien in Finnland. Ein Grund für die geringe Zahl mag die Sprache sein. "Finnisch zu lernen ist nicht einfach", sagt Klaus Mehrbold, der der Liebe wegen vor 16 Jahren nach Finnland zog. Für Ingenieure wie ihn ist es aber möglich, ohne Finnischkenntnisse einen Arbeitsplatz zu erhalten. Ebenso wie im hoch technologisierten Nachbarland Norwegen haben dort sowohl technische Fachkräfte als auch IT-Spezialisten eine reelle Chance, wenn sie perfekt Englisch sprechen. Björn Erik Brostad von der Norwegischen Botschaft in Berlin sieht auch Möglichkeiten für deutsche Ärzte und Pflegepersonal. In diesem Bereich ist es jedoch -genau wie im Dienstleistungssektor -Pflicht, die Landessprache zu beherrschen.
Eine Sonderstellung nimmt das Nachbarland Dänemark ein. Im vergangenen Jahr pendelten zusätzlich zu den 28000 Deutschen, die bereits in Dänemark leben, täglich 18000 Arbeitnehmer über die Grenze. Stig Aargaard, Referent für Arbeit und Soziales der dänischen Botschaft in Berlin, sieht weiteren Bedarf an deutschen Arbeitskräften. Zwar sei der Baumarkt komplett eingebrochen und auch die Behandlungsgarantie in dänischen Krankenhäusern derzeit außer Kraft gesetzt, aber schon zum Ende des Sommers rechne man mit einer leichten konjunkturellen Erholung. Dänemark böte ideale Bedingungen, so Aargaard. "Die Sprache ist verhältnismäßig einfach. Viele lernen sie schon in sechs Monaten." Konkrete Arbeitschancen böten Computerbereiche wie Softwareentwicklung und Programmierung. Aber auch Lehrkräfte werden in Dänemark gesucht. Das Unterrichtsministerium versucht gezielt, Deutsche und Polen zum Lehramtsstudium nach Dänemark abzuwerben -und die Anerkennung von deutschen Studienabschlüssen wird unbürokratisch gehandhabt.
Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit (ZAV) fände es sinnvoll, wenn der deutsch-skandinavische Arbeitsmarkt künftig stärker zusammenwachsen würde. Bislang seien die Fakten allerdings ernüchternd: "Von 8 000 Vermittlungen der ZAV gingen im vergangenen Jahr nur 81 nach Schweden." Dänemark liegt als direktes Nachbarland mit fast 1 000 Vermittlungen besser im Rennen. Doch nach Norwegen wurden 2008 nur knapp 500 Arbeitsuchende entsandt und Finnland bildete mit gerade einmal acht Vermittlungen das Schlusslicht.
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ARBEIT IM AUSLAND
Vermittlung
Zentrale Auslandsvermittlung
Auf den Seiten der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Agentur für Arbeit gibt es Arbeitsmarktinformationen aus dem Ausland und internationale Jobangebote.
www.ba-auslandsvermittlung.de
EURES
Auf der EURES-Homepage der Europäischen Union sind Informationen zur Arbeitssuche sowie Stellen- und Ausbildungsangebote in den EU-Mitgliedsländern zu finden.
europa.eu.int/eures
Jobsuche in Skandinavien
Homepage des schwedischen Arbeitsamtes:
www.ams.se
Homepage der finnischen Arbeitsagentur:
www.mol.fi
Homepage des norwegischen Arbeitsamtes:
www.nav.no
Homepage der dänischen Arbeitsverwaltung:
www.jobnet.dk
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Foto: Deutsche Ingenieure finden in Skandinavien -wie hier auf einer schwedischen Werft -ebenso Jobs wie Handwerker oder Pflegepersonal.