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MEIN WOCHENENDE

Zwischen Tarifa und Tanger

Pepe Baigt, 85, Rentner, Tarifa/Spanien

Ramon Schack

Fast jedes Wochenende nehme ich die Fähre nach Tanger. 35 Minuten dauert die Fahrt von meinem Wohnort Tarifa aus dorthin. Zusammen mit meiner Frau besuche ich Freunde und Bekannte. Diese Ausflüge, die afrikanische Luft, halten mich jung und gesund. Geboren bin ich 1924 in der Westsahara, in der damaligen spanischen Kolonie. Meine Eltern waren dort Lehrer. Mein Vater war ein Gegner Francos, konnte nicht zurück nach Spanien, und wir zogen nach Tanger. Erst 1976, nach dem Ende des Faschismus, kam ich nach Spanien.

Es ist schon merkwürdig: Meine Familie zog in die nördlichste Stadt Marokkos, um wenigstens einen Blick auf das unerreichbare Europa werfen zu können. Jetzt lebe ich in der südlichsten Stadt des europäischen Festlandes, und fahre regelmäßig nach Tanger. Meine Frau und ich organisieren Begegnungen zwischen Einwohnern beider Städte, wir wollen, dass sich die Völker besser verstehen.

Das arabische Erbe ist in Tarifa allgegenwärtig, in der Sprache, der Musik, der Kultur. Wir Andalusier haben alle einen Tropfen arabischen Blutes in uns. Es gibt die gleichen Sprichwörter, in Spanisch und Arabisch. Lange Zeit wurde das in Spanien ignoriert. Dabei haben wir bestimmt auch eine gemeinsame Zukunft. Die Jugend Marokkos wird sich auf jeden Fall nicht von Einreisebestimmungen abhalten lassen.

Momentan organisieren wir einen Austausch zwischen zwei Gymnasien. Die Schüler und Lehrer sind beiderseits begeistert, aber hüben wie drüben werden uns Steine in den Weg gelegt. In Spanien ärgert uns die Bürokratie mit den Einreisebestimmungen - jeder Besucher aus Marokko wird als illegaler Einwanderer gesehen. In Marokko polemisieren religiöse Fanatiker - angeblich infizieren wir die arabischen Schüler mit dem lasterhaften Lebensstil des Westens. Wir bleiben optimistisch. "Wer nicht reist, kennt den Wert des Menschen nicht", lautet ein Zitat von Ibn Batuba, dem berühmten Chronisten der arabischen Welt, der in Tanger geboren wurde. Das ist unser Motto.

Notiert von Ramon Schack.

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