BERLIN. Das Szenario wirkt martialisch. Personen mit bunten Helmen und in Kampfkleidung zielen mit Luftdruckwaffen in die Richtung, in der sie ihren Gegner vermuten. Sie rennen vorwärts, gehen in Deckung, wie beim Häuserkampf. Und dann wird geschossen, nicht mit scharfer Munition, sondern mit Farbbeuteln. Gotcha (Abkürzung für I got you - Ich habe dich getroffen) oder Paintball nennt sich das Spiel, das auf Anlagen auch in Berlin ausgetragen wird. Familien oder auch Firmen nutzen das Angebot. 7 000 Besucher im Jahr meldet allein ein Berliner Veranstalter.
Doch das Spiel ist umstritten. Der Deutsche Schützenbund etwa will mit Gotcha/Paintball nichts zu tun haben. Erst vor zwei Monaten, nach dem Amoklauf von Winnenden, hat er seine Mitgliedsvereine aufgefordert, Paintball in ihren Anlagen nicht zuzulassen. "Wir zielen grundsätzlich weder auf Menschen oder Menschen darstellende Ziele", teilte der Schützenbund mit.
Bis zu 5 000 Euro Geldbuße
Nun droht Gotcha das gesetzliche Verbot. Die Arbeitsgruppe aus Fachreferenten der Innenministerien von Bund und Ländern empfiehlt dies. "Bei diesen sogenannten Spielen besteht die Gefahr, dass Gewalt verharmlost wird und hierdurch Hemmschwellen zur Gewaltanwendung abgebaut werden", heißt es in dem Ergebnispapier der Arbeitsgruppe zu waffenrechtlichen Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden, das der Berliner Zeitung vorliegt. Vorgeschlagen wird, die Veranstaltung menschenverachtender Spiele als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Dasselbe soll für die Spieler gelten und für diejenigen, die Spielanlagen zur Verfügung stellen. Ein Verstoß soll mit einer Geldbuße von bis zu 5 000 Euro belegt werden.
Ein Vorschlag, der auch in dem ersten Gespräch zwischen dem Bundesinnenministerium und den Innenpolitikern der Unions- und SPD-Bundestagsfraktion am Dienstagabend auf Zustimmung gestoßen ist. "Paintball ist sittenwidrig. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, der Berliner Zeitung.
Nach seiner Einschätzung zeichnet sich ab, dass sich die Koalition auch auf die schnelle Einführung eines bundesweiten Waffenregisters einigen kann und auf eine Amnestie für Besitzer illegaler Waffen. Wiefelspütz ist sich zudem sicher, dass verdachtsunabhängige Kontrollen bei Waffenbesitzern eingeführt werden. "Die Frage ist, ob diese unangemeldet oder angemeldet stattfinden." Dieser Punkt ist jedoch in der Union umstritten. Wie berichtet, wandten sich die CSU und Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) gegen unangemeldete Kontrollen ohne Verdacht. Zwischen den Fraktionen wiederum ist laut Wiefelspütz das Verbot großkalibriger Waffen strittig, für das die SPD eintritt. Die Union möchte das Mindestalter auf 18 Jahre erhöhen. Auch die biometrische Sicherung von Waffen sei noch umstritten.
Die Koalition steht unter Zeitdruck. Um Änderungen in dieser Wahlperiode zu beschließen, muss bis Ende Mai ein Gesetzentwurf vorliegen. Die Länder müssen einbezogen werden, da die Zustimmung des Bundesrats nötig ist.
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Abgesperrt
Paintball, auch Gotcha genannt, ist ein Mannschaftssport, der aus den USA stammt.
Das Spiel ist nur auf einem dafür bestimmten Gelände erlaubt. Es muss umzäunt sein. Auch der Zugang zum Gelände muss abgesperrt sein. Dies soll ausschließen, dass Unbeteiligte verletzt werden. Das Spiel auf freiem Land, etwa im Wald, ist untersagt.
Eine Paintball-Liga bemüht sich in Deutschland seit Jahren um eine Anerkennung als normaler Sportverband.
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Foto: Ganz in Familie: In dieser Halle in Halle in Sachsen-Anhalt trainieren Teams der Paintball-Liga.