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PROTESTE

Bush war der bessere Gegner

NATO - Das Bündnis sucht auf dem Jubiläumsgipfel einen neuen Generalsekretär und eine neue Strategie. Strittig ist das Verhältnis zu Russland und der Wunsch der US-Regierung nach einem Präventivschlag.

Andreas Förster

BADEN-BADEN. Als Monty Schädel am Freitag auf dem Baden-Badener Bahnhofsvorplatz über die Proteste gegen den Nato-Gipfel spricht und plötzlich von Stralsund redet anstatt von Straßburg, ist das mehr als nur ein flüchtiger Versprecher. In Stralsund hatte Schädel 2006 eine Demonstration gegen den Deutschland-Besuch von US-Präsident George W. Bush organisiert, zu der nur 1 000 der erwarteten 20 000 Teilnehmer angereist waren. Die Erinnerung an seine damalige Enttäuschung scheint ihn am Freitagvormittag in Baden-Baden einzuholen. Denn eigentlich wollte der 39-jährige Mecklenburger gestern mit 20 000 Nato-Gegnern Richtung Kurhaus marschieren, wo sich die Regierungschefs des Militärbündnisses am Nachmittag versammelten. Gekommen sind aber gerade mal 300 Demonstranten.

Umgeben von rund 4 000 Polizisten, die im Innenstadtbereich von Baden-Baden postiert sind, zieht das kleine Häuflein Protestierer gegen Mittag über eine anderthalb Kilometer lange Demonstrationsstrecke. Besonders aufregend ist das nicht. Sieht man einmal davon ab, dass der Lautsprecherwagen der Nato-Gegner sich verspätet, so dass sich Monty Schädel von der Polizei aushelfen lassen muss. Und so wettert er gegen die Kriegstreiber der Nato und die Drangsalierung durch die Sicherheitskräfte - verstärkt durch Polizeilautsprecher.

Für die schwache Beteiligung gibt es mehrere Gründe. Zum einen liegt es tatsächlich an der Polizei, die mit scharfen Kontrollen und oft willkürlich verhängten Ausreiseverboten die Nato-Gegner daran hindern will, an Demonstrationen beiderseits des Rheins teilzunehmen. Wer das Protestcamp in Straßburg erreicht hat, bleibt daher auch lieber dort, um nicht zu riskieren, bei einer Rückreise aus Baden-Baden an der Grenze abgewiesen zu werden. Schließlich soll die Demo am Sonnabend in Straßburg der Höhepunkt der Proteste sein.

Der andere Grund für den mangelnden Zuspruch der Nato-Gegner ist der neue US-Präsident. Zwar beteuert Monty Schädel immer wieder, dass auch Obama für den Kriegskurs der Nato stehe. Der Protest richte sich ja auch nicht gegen einzelne Personen, sondern gegen die Nato-Politik. Er räumt aber ein, dass es mit einer Figur wie Bush einfacher war, Menschen zum Protest auf die Straße zu bringen. "Aber diese Zeit ist erst einmal vorbei."

Im Straßburger Camp der Nato-Gegner kann man das besichtigen. Auf den Feldern, die für die Zelte von bis zu 8 000 Menschen zur Verfügung gestellt worden sind, gähnen große Lücken. Allerdings wurden am Freitag noch Protestler erwartet, die gegen den G20-Gipfel in London demonstriert hatten.

Am Abend spitzte sich die Situation zu, als die Polizei zwei Kleinbusse mit rund hundert als Clowns verkleideten Gipfelgegnern an der Zufahrt zum Camp hinderte. Demonstranten errichteten Barrikaden und warfen mit Pflastersteinen auf Polizisten. Diese setzten Tränengas und Wasserwerfer ein.

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Foto : Brennende Barrikaden: vor dem Protest-Camp in Straßburg-Neuhoff.