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Dauerstau befürchtet

Geplante Autobahn beschert Elsenbrücke Verkehrskollaps, so die Grünen

Peter Neumann

TREPTOW. Der Streit um die Verlängerung der Autobahn von Neukölln nach Treptow gewinnt an Schärfe. "Dieses Projekt wird in ein verkehrliches Desaster führen", sagte am Freitag Claudia Hämmerling, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Rund um den Endpunkt Am Treptower Park drohe ein Dauerstau. "Das geordnete Abfließen des Autobahnverkehrs kann nicht gewährleistet werden", warnte der von den Grünen beauftragte Gutachter Wolf Hahn. "Wir haben gut geplant. Die A 100 wird verlängert", sagte dagegen Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Noch bis 9. April können Bürger die Pläne für den 16. Bauabschnitt des Stadtrings in den Rathäusern Treptow und Neukölln einsehen. Der Geograf Wulf Hahn vom Marburger Büro RegioConsult hat die Unterlagen studiert. Sein Fazit fällt für den Senat wenig schmeichelhaft aus: Die geplante Autobahn werde ein "planerischer Torso" sein, der mehr Probleme schafft als löst - ein unvollendetes Werk. So lange sie in Treptow endet und nicht nach Norden zur Frankfurter Allee verlängert worden ist, wären keine "relevanten Verbesserungen" im Umfeld zu erwarten. Dieses Manko gebe der Senat in seiner Broschüre zur A 100 zu, so Hämmerling. Zitat: "Erst mit dem 17. Bauabschnitt, der Überwindung von Spree und Bahntrasse, ist die volle Wirkung der Entlastung zu erwarten."

Die positiven Wirkungen des Treptower "Torsos" hielten sich in Grenzen, bekräftigte die Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS). Die Senatsdaten zeigten, dass die Zahl der Autos vor allem dort stark sinke, wo kaum Menschen wohnen - etwa in der Grenzallee, in der Puschkinallee im Treptower Park oder in der Köpenicker Landstraße zwischen der Bulgarischen Straße und dem Dammweg. Dafür steige die Belastung der Elsenbrücke - um fast 21 Prozent auf 74 300 Fahrzeuge pro Tag. "Irgendwo muss der Verkehr, der über die Autobahn heranfließt, ja hin", sagte Hämmerling. Dabei bekam die Brücke nach dem Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen schon 2005 die schlechteste Qualitätsstufe, so Hahn: "Belastung größer als Kapazität, Knotenpunkt ist überlastet."

Senat: Viele Bürger profitieren

Damit stehe der Senat angesichts der Klage, mit der drei Frauen aus der Elsenstraße drohen, "rechtlich auf schwankendem Boden", sagte Hämmerling. Denn die Richter werden prüfen, ob die Autobahn nach Treptow für sich genommen funktionsfähig ist. Sie werden die Genehmigung aufheben: "Denn der 16. Bauabschnitt funktioniert nur, wenn auch der 17. gebaut wird."

Die Fortführung zur Frankfurter Allee werde aber erst recht nicht durchsetzbar sein. Das gelte vor allem für den Doppelstocktunnel unter der Neuen Bahnhofstraße. Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs würden die Sicherheitsanforderungen steigen - das Projekt werde unbezahlbar, Klagen von Hauseigentümern drohten. Zudem lasse die Autobahn den Verkehr in der Frankfurter Allee und der Möllendorffstraße anwachsen, dort gebe es neues Chaos. Auch der A 100 selbst drohe dann die Überlastung. Hahns Rechnungen zeigten, dass für die künftig erwarteten 135 000 Fahrzeuge pro Tag drei Fahrstreifen pro Richtung nicht mehr ausreichen.

Die Grünen forderten, das Projekt zu beenden. Doch der Senat bleibt hart: "Die Autobahn ist sinnvoll und sie wird gebaut", sagte Manuela Damianakis. Bereits der Bau des Abschnitts nach Treptow werde dazu führen, dass viele Bürger von Verkehr und damit von Lärm sowie Abgasen entlastet werden - zum Beispiel im Dammweg, in der Lahn- und Hermannstraße. An den Planungen gebe es nichts zu ändern.

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Gut für den Osten

Karte: Ein Projekt für ganz Berlin - so nennt der Senat die Verlängerung der A 100. Die Autobahn von Neukölln nach Treptow und später zur Frankfurter Allee entlaste nicht nur Wohngebiete, sondern verbessere auch die Verbindungen in den Osten.

2017 soll der 3,2 Kilometer lange Abschnitt zum Treptower Park fertig sein. Kosten: 443 Millionen Euro.