Eine Pressekonferenz mit Tom Cruise ist nicht nur eine Pressekonferenz, sondern ein Event. Ein wirkliches Event erkennt man daran, dass es moderiert wird - in diesem Fall von dem Privatfernsehansager Wolfram Kons, der sich aus gegebenem Anlass einen Schal flott um den Hals gelegt hat. Die Besucher der Pressekonferenz müssen sich am Eingang von freundlichen Hostessen Plastikbändchen um den Arm binden lassen, auch das ist bei Events nicht unüblich, auf denen "Operation Walküre" steht. Wir, die wir aus ganz Europa oder auch nur vom Alexanderplatz angereist sind, um ein Stündchen gemeinsam mit Tom Cruise und seinen Freunden in einem Raum verbringen zu dürfen, sind jetzt Teil des Ganzen: Teil der "Operation Walküre", die bereits mit Erfolg in den USA angelaufen ist und nun in jene Weltstadt übergreift, wo einst alles begann, am Originalschauplatz.
Wenige Stunden vor der europäischen Premiere des Films über das gescheiterte Attentat vom 20. Juli stellen sich am Dienstag Hauptdarsteller Tom Cruise, Regisseur Bryan Singer, Drehbuchautor Christopher McQuarrie und ein Dutzend weiterer Mitwirkender des Unternehmens im Berliner Hotel de Rome den Fragen der Journalisten. Zuvor werden sie vom Ansager, der wie bei einem Boxkampf am Ende jedes Namens seine Stimme hebt, einzeln auf das Podium gerufen. Sie treten hinter einer schwarzen Wand hervor, auf der in großen Buchstaben steht, worum es hier heute geht, aber das ist ja wohl inzwischen jedem klar.
Bryan Singer sieht mit Kapuzenjacke und T-Shirt wie ein Tonassistent aus und nicht wie einer der erfolgreichsten Regisseure des jüngeren Hollywood; Tom Cruise wirkt in schwarzem Hemd und schwarzer Hose sehr dezent und - um es gleich zu sagen - nicht nur seriös, sondern auch sympathisch. Er antwortet sicher und entspannt auf alle Fragen, die ihm allerdings auch nicht all zu viel abverlangen. Er hört genau zu. Als ihn zum Beispiel ein Kollege der Bild-Zeitung mit einem Zitat konfrontiert, demzufolge Cruise gesagt haben soll, er - also Cruise - hätte Hitler umgebracht, wenn sich ihm die Gelegenheit geboten hätte, und von ihm nun wissen will, was er besser gemacht hätte als Stauffenberg, fällt ihm der Schauspieler ins Wort, er habe auf eine entsprechende Frage geantwortet: "I would like to think, that I would do it." Ich würde gern annehmen, dass ich es in so einer Situation tun würde. Cruise formuliert sorgfältig. Er gerät nicht ins Schwadronieren, macht keine Späße, er verzieht nicht das Gesicht. Tom Cruise ist in dieser Inszenierung einmal ganz bei sich.
Die Diskussionen um die Dreherlaubnis für den Bendler-Block, wo Oberst Graf von Stauffenberg in der Nacht nach dem gescheiterten Putsch hingerichtet wurde, habe er im vergangenen Jahr sehr genau verfolgt. Er sagt, er habe in dieser Zeit in zwei Welten gelebt: der Filmwelt, in der sie konzentriert an ihrem Projekt gearbeitet hätten, und der Außenwelt mit all den Kontroversen, Kommentaren und Vorwürfen wegen seines Engagements für Scientology. Er hätte sich jedoch nicht vorstellen können, den Film nicht in Berlin zu drehen.
Nein, Genugtuung empfinde er nicht, da er schließlich doch bekam, was er wollte und nun mit dieser deutschen Geschichtsstunde sogar in den USA erfolgreich ist, was ihm kaum jemand zugetraut hatte. "Ich bin seit 25 Jahren im Geschäft und genauso lange wird über das bevorstehende Ende meiner Karriere spekuliert", sagt Cruise. "Wenn ich etwas anfange, möchte ich es so gut wie möglich machen. Ich bin Filmfan. Ich will die Leute unterhalten." Nach einer Testvorführung im mittleren Westen der USA, wo die einfachen Leute leben, hätten die Zuschauer geklatscht. "Oh that's cool", habe der Regisseur zu ihm gesagt. Da wussten sie, dass ihr Film funktioniert.
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Foto: Thomas Kretschmann, Carice van Houten, Tom Cruise, Christian Berkel, Philipp von Schulthess sowie Halina Reijn (v. l.) beim Fototermin.