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Im Kern ein Spannungsfilm

OPERATION WALKÜRE - Regisseur Bryan Singer und sein Team stellten den Film über das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 in Berlin vor.

Thomas Klein

Das Thema Hitler-Deutschland findet sich schon früh im Werk des nunmehr 43-jährigen Regisseurs Bryan Singer. Seine Verfilmung des Romans "Der Musterschüler" (1998) zeigt, wie ein US-amerikanischer Teenager in den Bann eines untergetauchten Nazis gerät. Singers Comic-Adaption "X-Men" (2000) beginnt mit dem Schrecken der Konzentrationslager und reflektiert den Wahn des Rassismus. Mit "Operation Walküre" hat der US-Amerikaner Singer seine Version des gescheiterten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 inszeniert.

Mister Singer, haben Sie die ungeheure Aufregung in den deutschen Medien verstanden, die Ihren Film schon während der Dreharbeiten begleitete?

Nein, das war für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe mich damit aber auch nicht weiter befasst. Wenn man einen Film macht, hat man den Kopf voll; da bleibt keine Zeit dafür, auch noch die Presse auszuwerten. Sicher, am Rande bekommt man das mit - und vielleicht versucht man unbewusst, einen noch besseren, noch akkurateren Film zu machen: einen der weniger Angriffsfläche bietet. Aber im Ernst: Einen Film zu verreißen, bevor der überhaupt gedreht ist - das fand und finde ich eher absurd.

Sie konnten also ganz ruhig bei der Arbeit bleiben?

Einen Schreckmoment gab es, da war ich schon hier und mitten in der Produktion. Ich war mit Bauten und Design beschäftigt und habe versucht, meine Besetzung zu vervollständigen. Mitten in der Nacht rief da meine Mutter an - sie wollte wissen, wann ich jetzt wieder nach Hause komme, weil man mir doch verboten habe, den Film zu drehen. Wie bitte? (lacht) Ich meine, ich kann einzelne Sachen ja verstehen: Natürlich ist man skeptisch, wenn im Bendler-Block, der ja auch Mahnmal ist, gedreht werden soll. Aber es war gut und wichtig, unsere Aufnahmen da machen zu können. Und auch dass wir dort noch mal drehen durften, als das erste Material unbrauchbar war.

Waren Sie zufrieden mit den Produktions- und Drehbedingungen in Babelsberg und Berlin?

Babelsberg war klasse; die Dreharbeiten liefen sehr gut, nicht nur im Studio, auch in den Brandenburger Wäldern. Wir wohnten in Hotels in Berlin-Mitte und sind morgens per Hubschrauber rausgeflogen, vom Flughafen Tempelhof aus: Eine tolle Anlage, wir haben da ja auch gedreht, schade, dass Tempelhof nicht mehr in Betrieb ist. Sehr angetan war ich von dem deutschen Stab, die haben hervorragende Arbeit geleistet und sich bestens mit ihren britischen Kollegen abstimmen können. Und größtes Lob habe ich auch für die deutschen Ausstatter - wir brauchten ja Unmengen alter Technik, Telegrafen und so was, aber auch Schrifttypen, Unterschriften, Abzeichen. Es war eindrucksvoll, wie gut das geklappt hat.

Die Handlung Ihres Films setzt ein, als Stauffenberg bereits ein Gegner Hitlers ist. Warum nicht früher?

Weil es dann eine biografische Arbeit geworden wäre. Ich sehe "Operation Walküre" im Kern eher als Spannungsfilm, der sich nur mit der unmittelbaren Vorgeschichte des 20. Juli und dem Attentatsversuch selbst beschäftigt. Gemeinsam mit der Produktionsfirma United Artists habe ich eine Dokumentation über das Dritte Reich produziert, da geht es um den historischen Kontext. Der Spielfilm "Operation Walküre" konnte und sollte nur dieses ganz bestimmte Ereignis skizzieren: unter der Prämisse, dass der Krieg schon verloren ist und das Hitler-Regime, die Ermordung von täglich 15 000 Zivilisten, beendet werden muss. Von Deutschen selbst.

Kann man sagen, dass Sie das Dritte Reich besonders fasziniert?

Sicher. Vielleicht liegt es daran, dass ich Jude bin. Als kleiner Junge hatte ich zwei gute Freunde, deren Familie kam aus Deutschland. Als Teenager hat mich der Roman "Der Musterschüler" tief beeindruckt; in meiner Schule gab es eine tolle Lehrerin, die hervorragenden Unterricht über das Thema Holocaust gegeben hat. Ich fand die Nazi-Ästhetik immer seltsam reizvoll: das Hakenkreuz, die Uniformen, Olympia, die Propaganda, der Personenkult um Hitler und das Kino als Mittel der Agitation. Das hat alles Faszination.

Wie fühlt man sich dann, wenn man nach Deutschland kommt?

Ich war ja schon oft hier. Aber natürlich ist es immer etwas komisch, wenn ich hier ankomme. Mein Kameramann Newton Thomas Sigel ist auch Jude, während der Dreharbeiten zu "Operation Walküre" haben wir viele lange Gespräche geführt. Meine Familie stammt ursprünglich aus Polen und Russland; besonders auf der polnischen Seite wurden zahllose Verwandten von den Nazis ermordet. Dann geht man durch Berlin und sieht allerorten Überbleibsel des Dritten Reichs - das ist ein seltsames Gefühl, aber ich finde es falsch, diese zu verstellen oder zu übermalen. Das sollte alles bleiben, als Mahnung. Andererseits halte ich Aussöhnung und Miteinander für wichtig. Deutschland hat intensiver als andere Länder versucht, Aufklärung zu betreiben. Es hat versucht, dieses Kapitel der Geschichte selbst aufzuarbeiten. Das macht mir Mut. Da fühle ich mich hier und heute besser.

Das Gepräch führte Thomas Klein.

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Foto: Bryan Singer, Regisseur

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Foto: Vor dem Anschlag: Claus Schenk (Tom Cruise) und Nina (Carice van Houten) von Stauffenberg.