Herr Hein, Sie sind in der Charité der neue Gleichstellungsbeauftragte für Männer. Hat die Klinik denn zu wenig männliche Chefärzte?
Es geht nicht darum, dass die Charité zu wenig Chefärzte hat, sie hat zu wenig Chefärztinnen. Tatsächlich bin ich Väterbeauftragter. Meine zentrale Aufgabe ist, Männer in ihrer Väterrolle zu stärken, vor allem auch alleinerziehende Väter. Wenn ein Arzt mit seinem Chef Probleme bekommt, weil er in Elternzeit gehen will, dann helfe ich ihm dabei, seinen gesetzlichen Anspruch durchzusetzen.
Die häufig schon etwas älteren Chefärzte haben wohl nicht viel Verständnis dafür, wenn Väter eine Auszeit nehmen wollen.
Das muss sicherlich weiter entwickelt werden. Aber es hat sich einiges getan. Sauerbruch, von 1928 bis 1949 Professor an der Charité, hat seinen Assistenten noch verboten zu heiraten.
Wie viele junge Väter sind an der Charité in Elternzeit gegangen?
Nur neun Prozent haben die Möglichkeit in Anspruch genommen, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Es hat sich gezeigt, dass sie sich wohler fühlen und seltener krank werden, wenn sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.
Sie sind ja nicht nur Väterbeauf- tragter, sondern auch Psychiater an der Charité. Dann sind Sie auch noch Schriftsteller und Vater von zwei Söhnen im Alter von sechs und drei Jahren. Kommen Sie überhaupt noch dazu, sich um ihre Kinder zu kümmern?
In erster Linie bin ich Vater. Dem muss sich alles andere unterordnen. Und Väter sind sehr gut organisiert. Wenn ich nachmittags nach Hause komme, verbringe ich meine Zeit mit den Kindern. Ich schreibe nur am Wochenende, und außerdem habe ich eine Frau, die mir hilft.
Haben Sie selbst Elternzeit genommen?
Ich bin fünf Monate zu Hause geblieben.
Das Gespräch führte Thorkit Treichel.
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Foto: Jakob Hein, Vater zweier Söhne, hat es vorgemacht: Er nahm fünf Monate Elternzeit.