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Von Farbtöpfen und Stimmbändern

20 Athleten fordern die Wiedereinstellung des dopingbelasteten Trainers Werner Goldmann

Matti Lieske

BERLIN. Ohne große Übertreibung lässt sich sagen, dass Werner Goldmann eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Leichtathletik in den letzten Jahren ist. In einer Sportart, die nicht gerade von Erfolgen strotzt, waren es meist Leute aus dem Arbeitsbereich des Bundestrainers Diskus/Kugel, die für die spärlichen Lichtblicke sorgten. Diskuswerferin Franka Dietzsch zum Beispiel, die bei der Weltmeisterschaft in Osaka 2007 Gold gewann, ihr Kollege Robert Harting, der Goldmann auch als Heimtrainer vertraut und überraschend Silber holte, Betty Heidler, die in Osaka Hammerwurf-Weltmeisterin wurde, Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die Bronze errang, oder Christina Obergföll und Steffi Nerius mit Silber und Bronze. Die Werfer sind ohne Zweifel das Herzstück der deutschen Leichtathletik und, obwohl es bei Olympia mit Obergfölls einsamer Bronzemedaille nicht so gut lief wie in Osaka, auch die Hoffnungsträger für die WM 2009 im August in Berlin.

Werner Goldmann ist dann allerdings nicht mehr als Bundestrainer dabei. Wegen seiner Verstrickung in die Dopingpraktiken des Sportsystems der DDR wurde der zum Jahresende 2008 auslaufende Vertrag des 58-Jährigen vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht mehr verlängert.

In einem Offenen Brief an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kritisierten nun 20 namhafte Athleten die Maßnahme mit teilweise drastischen Worten. Von einer "Bauernopferjagd" ist die Rede, davon, dass ein Leben zerstört werde, welches einer Passion gewidmet sei. Die Kündigung käme einem "Entzug von Lebenselixieren" gleich, "als würde man einem Musiker lebenslang Instrumentenverbot geben, einem Künstler die Farbtöpfe versiegeln oder dem Sänger die Stimmbänder lähmen." Es wird allen Ernstes der Vergleich mit einem Mörder gezogen, der fast 25 Jahre nach der Tat angeblich "amnestiert, entlassen oder rehabilitiert" sei.

Weil Werner Goldmann Ende der 90er-Jahre im Rahmen eines Dopingprozesses 4 000 Mark bezahlen musste, sei er "rechtlich rehabilitiert", behaupten die Unterzeichner des von großer Emotionalität geprägten Schreibens, zu denen Dietzsch, Harting, Obergföll und Kleinert gehören, nicht aber Heidler und Nerius.

Nicht emotional, sondern geradezu perfide ist vor allem ein Satz des Briefes: "Wird jedem ehemaligen Sportler ohne Weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?" Das bezieht sich auf den ehemaligen Kugelstoßer Gerd Jacobs, der die Diskussion um Goldmann kurz vor Olympia neu entfacht hatte. Der 46-Jährige, der als Dopingopfer anerkannt ist und sich vor einigen Jahren einer Herztransplantation unterziehen musste, erklärte, dass ihm der Trainer Anfang der 80er das Anabolikum Oral-Turinabol verabreicht hätte. Genau das hatten auch die ehemaligen Sportlerinnen Annette Wolf und Simone Kischnick beim Berliner Prozess um Minderjährigendoping in der DDR ausgesagt.

Im Urteil gegen DDR-Chefmediziner Manfred Höppner und DDR-Sportführer Manfred Ewald wurde der Trainer dann auch als Dopingtäter erwähnt, sein Verfahren jedoch gegen Zahlung von 4 000 Mark eingestellt. Eine damals gängige Praxis, um als geringfügiger eingestufte Fälle abzuschließen und sich auf die Haupttäter konzentrieren zu können.

"Da gibt es sicherlich Dinge, die nicht in Ordnung waren", konzedierte Werner Goldmann, der vor den Spielen in Peking die geforderte Ehrenerklärung des DSV unterschrieben und damit auch versichert hatte, nie Dopingmittel verabreicht zu haben. Er glaubte jedoch: "Das Ding ist erledigt." Ähnlich sehen es die Unterzeichner des Briefes und auch manch anderer Sportler. Stabhochspringer Tim Lobinger erklärte in der Süddeutschen Zeitung im ähnlich gelagerten Fall des Dietzsch-Trainers Dieter Kollark flapsig: "Solange Lance Armstrong noch Kinofilme drehen kann, sollte auch jeder ostdeutsche Trainer mit Athleten arbeiten dürfen."

Ganz so einfach machte es sich die Unabhängige Anti-Doping-Kommission des DOSB nicht. Nach Gesprächen mit allen Beteiligten empfahl sie dem DLV, Werner Goldmann nicht weiter als Trainer zu beschäftigen.

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"Die Kündigung gleicht einer Amputation." Offener Athletenbrief zum Fall Goldmann

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Foto: Mann mit Vergangenheit: der Leichtathletik-Trainer Werner Goldmann.