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BLICKPUNKT, BERLINER SIEDLUNGEN

Gemeinschaft der Selbstversorger

Berliner Siedlungen (8): Am Eichkamp leben die Bewohner zentral -mit mangelhaftem Anschluss an die Stadt

Michaela Harnisch

Im Osten die Avus, im Süden und Westen der Grunewald. Auf der einen Seite Zivilisationslärm, auf der anderen Stille. In der Siedlung Eichkamp treffen sich alt und jung, Tradition auf Moderne. Reihen- und Einzelhäuser aus den 1920er Jahren stehen hier neben dem 1959 gebauten Studentenwohnheim Dauerwaldweg. "Seit einigen Jahren ziehen verstärkt junge Familien mit Kindern zu", sagt Uwe Neumann. Allerdings haben diese meist ein Haus von Familienangehörigen geerbt. Interessenten ohne persönlichen Bezug haben es dagegen schwer, denn Leerstand gibt es kaum in der Siedlung.

Neumann selbst ist Landschafts- und Gartenarchitekt, lebt seit 45 Jahren hier im Haus seiner Großeltern. So wie er sind die meisten der etwa 2000 Bewohner mit der Gegend verwurzelt. Es gibt keine andere Siedlung in Berlin, die so direkt von Wald umgeben ist und so nah am Zentrum liegt: Stadtautobahn vor der Tür, S-Bahnhof Messe-Süd nebenan. Es sind keine 15 Minuten bis zum Zoo.

Die Siedlung Eichkamp, benannt nach der Revierförsterei Eichkamp im Forst Grunewald, gehört zum Bezirk Charlottenburg. Sie hat etwa 650 Gebäude, der Großteil entstand zwischen 1918 und 1929. Die Baukonzepte stammen unter anderem von den Architekten Max und Bruno Taut sowie von Martin Wagner. Ihr Ziel: preisgünstiger Wohnraum für Angestellte und Beamte am damaligen Stadtrand.

Die ersten ab 1920 fertig gestellten Häuser waren mit Hühnerstall und Speicher für eine weitgehende Selbstversorgung der Bewohner angelegt. Bei später errichteten Gebäuden spielt diese Funktion keine Rolle mehr. Bauherren waren verschiedene Genossenschaften und die Hauskäufer durften während der Bauphase ihre Wünsche äußern. "So besitzen die Häuser trotz einheitlicher Konzepte ihren individuellen Charakter", sagt Neumann. Hier ein Balkon, dort ein Windfang. Da die Siedlung, außer vereinzelten Gebäuden, nicht unter Denkmalschutz steht, blüht heute in manchen Ecken kreativer Wildwuchs. Das sehen Architekturinteressierte wie Uwe Neumann nicht gern. "Schade, dass einigen die Historie der Siedlung egal ist."

Die Eichkamper indess fühlen sich wohl. 350 Bewohner engagieren sich im Siedlerverein. Gerade arbeiten sie an einer organisierten Nachbarschaftshilfe. Die Mitglieder im Siedlerverein organisieren jedoch nicht nur Feste, Ausflüge und Treffen, sondern üben schon mal den Aufstand, wenn es um ihre Lebensqualität geht. Beispiel Busverkehr: Die BVG hat ihn empfindlich eingeschränkt. Ein Gelber fährt nur unter der Woche zwischen 8 und 18 Uhr und das lediglich alle 40 Minuten. "Nicht nur für die Älteren ohne Auto ist das ein Problem, denn die Siedlung hat keine Einkaufsmöglichkeit. Auch die Schüler aus den drei umliegenden Schulen und die Sportler am Wochenende wären dankbare Fahrgäste", empört sich Neumann. "Andernorts geht es doch auch." Die Diskussion mit der BVG blieb bisher jedoch ohne Erfolg. Im Vorteil sind jene, die das Leben als Selbstversorger noch nicht ganz at acta gelegt haben.

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Foto: Idylle zwischen Wald und Avus.