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TEIL 6

Adel und junge Familien

Berliner Siedlungen (6): Die Lindenhofsiedlung macht sich fit für die Zukunft

Michaela Harnisch

Am Wochenende zog über die denkmalgeschützte Lindenhofsiedlung der Duft von Glühwein und Bratwurst. Zum dritten Mal organisierte die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft GeWo Süd einen Weihnachtsmarkt. Bewohner verkauften Süßes, Herzhaftes oder Geschenkartikel an Nachbarn und Besucher. "Gemeinsame Veranstaltungen gehören in unser Siedlungskonzept", sagt Siegmund Kroll, Vorstandsmitglied der Genossenschaft. Der soziale Zusammenhalt sei den Bewohnern wichtig. "Sie schätzen die gewachsenen Strukturen und ihre Nachbarschaft." Einige der Bewohner leben schließlich seit ihrer Geburt in der Siedlung. Doch viele gibt es nicht mehr von diesem "Lindenhofadel".

Rund 2500 Menschen leben heute in den 163 Mehrfamilien- und 69 Einfamilienhäusern, 63 Prozent der Hauptmieter sind älter als 65 Jahre. Das soll sich ändern. In den Mehrfamilienhäusern wurden bereits 120 Wohnungen voll saniert. Bis Ende 2009 sollen alle Dachgeschosse in der Suttnerstraße und in einigen Häusern an der Reglinstraße ausgebaut sein. So entstehen 21 neue Wohnungen mit Maisonette-Charakter. "Wir wollen verstärkt junge Familien ansprechen und damit einen Generationenwechsel einleiten", erklärt Norbert Reinelt, Vorsitzender der GeWo Süd. Ältere Anwohner werfen der Genossenschaft deshalb Verdrängungsversuche vor.

Die Chancen, die Mieterstruktur zu verjüngen, stehen indes nicht schlecht. Denn die spezielle Mischung aus Urbanität und Provinzialität macht die Lindenhofsiedlung gerade für junge Familien attraktiv. Im Süden Schönebergs, an der Grenze zu Tempelhof gelegen, wirkt sie wie eine Insel innerhalb der Großstadt: grüne, ruhige Beschaulichkeit, nur acht Kilometer vom Zentrum entfernt -innerhalb des Ensembles sind keine Autos zugelassen.

Entstanden ist die Siedlung von 1918 bis 1921 nach Plänen des Schöneberger Stadtbaurates Martin Wagner und des Architekten Bruno Taut. Als Genossenschaftsbau unter städtischer Beteiligung wurden zwischen Röblingstraße und Domnauer Straße, Eyth- und Arnulfstraße zweigeschossige Reihenhäuser mit Gärten und einer Parkanlage errichtet.

Hilfsbedürftigen Bewohnern stehen heute 15 "Helfer im Kiez" zur Seite. "Die Leute sind dankbar, wenn wir sie zum Arzt oder beim Einkaufen begleiten," haben die Sozialarbeiter Katja Schiller und Dirk Büscher festgestellt. Sie koordinieren seit drei Jahren die Nachbarschaftshilfe und sprechen von einer großen Resonanz. Und die war auch auf dem Weihnachtsmarkt zu spüren.

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Foto: Verkehrsberuhigt: Autos dürfen in die Lindenhofsiedlung nicht hinein.