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Kolumbiens Kaffee-Bauern greifen nach Starbucks

Finanzkrise bietet einmalige Chance zum Kauf der Kette

Wolfgang Kunath

RIO DE JANEIRO. Beginnen sich die Herrschaftsverhältnisse auf dem Weltmarkt umzukehren? Oder handelt es sich einfach um einen Fall von Übermut? Wie dem auch sei: Kolumbiens Kaffeebauern-Verband hat den Mit-Erzeugern in anderen Kaffee anbauenden Ländern vorgeschlagen, sie sollten gemeinsam Starbucks kaufen, die größte Kaffeehaus-Kette der Welt. "Die Finanzkrise eröffnet verschiedene neue Möglichkeiten", sagte Gabriel Silva, Geschäftsführer des Verbandes, der kolumbianischen Zeitung El Tiempo. "Die Starbucks-Aktie ist von 45 auf acht Dollar gesunken. Wir könnten uns zusammentun, um diese Firma zu kaufen und so einen eigenen Vertriebskanal zu haben, der von den Erzeugerländern kontrolliert wird."

Die Zeiten seien günstig, fuhr Silva fort, und die Verwirklichung dessen, was früher "undenkbar, ein Traum" war, sei zurzeit nicht einmal teuer: 200 oder 300 Millionen Dollar reichten, um die Kontrolle über die weltgrößte Kaffee-Verkaufskette mit ihren mehr als 15 000 Niederlassungen in 44 Ländern zu erwerben. "Das würde unseren Kampf zur Verteidigung der Herkunft des Kaffees stärken", sagte Silva. Der Kaffee-Großhandel wolle diesen Faktor verwischen - "und wie verhindern wir das? Indem wir direkt an den Konsumenten herangehen."

Jahrzehntelang galt gerade Kaffee als Musterbeispiel für die Herrschaft der Konsumenten- über die Produzenten-Länder: Mit ihrer Marktmacht diktierten die weltweit agierenden Großhändler den Erzeugern die tendenziell immer niedrigeren Preise. Wenn die Erzeuger nun den Welt-Konzern Starbucks übernähmen, hätte das einen beträchtlichen symbolischen Wert: Die traditionellen Machtverhältnisse stünden plötzlich Kopf.

Die im Jahr 1971 von zwei Lehrern und einem Schriftsteller in Seattle gegründete Firma steht zurzeit nicht besonders gut da. Nach Jahren atemberaubender Expansion kündigte Starbucks im Juli an, allein in den Vereinigten Staaten 600 Filialen dichtzumachen. Kurz darauf wurden Hunderte Stellen gestrichen. Die Finanzkrise dürfte dem Unternehmen weiter zusetzen. Die Verbraucher in den Vereinigten Staaten trinken ihren Kaffee nun lieber in billigeren Ketten.

Dagegen geht es den Erzeugern gut. Kolumbiens Kaffeebauern-Verband hat Silva zufolge 500 Millionen Dollar Rücklagen, um einen Teil der Ernte aufzukaufen, vom Markt zu nehmen und damit den Kaffeepreis mit den Mitteln des Marktes hochzuhalten. Das weltweite Angebot sei ohnehin knapp, sodass sich bereits vergleichsweise geringe Mengen auf den Weltmarktpreis auswirken. "Ich wage zu prophezeien, dass das kommende ein goldenes Jahr für die Kaffeebauern wird", sagt Silva, "und wenn wir dann noch Starbucks kaufen . stellen Sie sich das mal vor!"

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"Die Aktie ist von 45 auf acht Dollar gefallen. Wir könnten uns zusammentun und Starbucks kaufen." Gabriel Silva, Chef des Verbandes der Kaffeebauern