Die Entwicklung der Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt macht nach Ansicht von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) derzeit kein Eingreifen der Politik nötig. "Selbstverständlich beobachten wir ganz genau, wie sich der Berliner Mietmarkt entwickelt", sagte Junge-Reyer gestern anlässlich einer Veranstaltung zum Berliner Wohnungsmarkt. Bisher sei aber nur "eine moderate Steigerung der Mieten" festzustellen.
Junge-Reyer räumte ein, dass die hohe Nachfrage nach Wohnungen in Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg dazu führe, dass dort die Mieten nach oben getrieben werden. Dies sei aber ein Normalisierungsprozess des Marktes. Wohnungen mit einer guten Ausstattung in einer gefragten Lage hätten eben ihren Preis. Keiner könne und niemand müsse Wohnungssuchenden garantieren, dass sie eine sanierte Stuckaltbauwohnung in Ia-Lage in Wilmersdorf oder Prenzlauer Berg für unter fünf Euro Kaltmiete den Quadratmeter finden, sagte Junge-Reyer. Die Wahrheit sei, dass es nicht gelingen werde, überall Wohnungen für jeden Geldbeutel zur Verfügung zu haben. Jeder könne aber eine bezahlbare Wohnung finden. In Berlin stehen nach Angaben der Senatorin 108 000 Wohnungen länger als sechs Monate leer.
Laut Mietspiegel von 2007 zahlen die Berliner im Durchschnitt für eine der 1,2 Millionen Wohnungen des freien Marktes eine Kaltmiete von 4,75 Euro pro Quadratmeter monatlich, sagte Junge-Reyer. Berlin liege damit unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Mieten in Deutschland, der 5,91 Euro beträgt.
Mehrere Studien aus der Wohnungswirtschaft und von Maklerunternehmen waren in den vergangenen Wochen zu dem Ergebnis gekommen, dass die Preise bei neu vermieteten Wohnungen in Berlin stark steigen. Nach Angaben des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen lagen die Mieten 2007 bei neu vereinbarten Verträgen im Schnitt 21,1 Prozent über dem Mietspiegeldurchschnitt von 4,75 Euro je Quadratmeter.
Von den Grünen, aus Kreisen der SPD und vom Mieterverein wurden danach Forderungen nach einer Begrenzung der Mieten laut. Der Mieterverein verlangt, dass die Mieten beim Neuabschluss eines Mietvertrages maximal 20 Prozent über dem Mietspiegel liegen dürfen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Mietervereins, Reiner Wild, sprach sich gestern zudem dafür aus, dass die Mieten innerhalb von drei Jahren künftig nur noch um 15 Prozent steigen dürfen. Bislang können Vermieter die Miete alle drei Jahre um 20 Prozent anheben, sofern die ortsübliche Miete noch nicht überschritten wird.
Ein Bündnis verschiedener Initiativen ruft für Sonnabend zu einer Demonstration gegen steigende Mieten und Verdrängung einkommensschwacher Menschen auf. Die Protestveranstaltung beginnt um 14 Uhr an der Falckensteinstraße/Ecke Schlesische Straße in Kreuzberg.