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Atom-Transport statt Fußballstreife

Polizei lässt Regionalligaspiel verschieben, weil sie nicht mehr genügend Beamte hat

Katrin Bischoff

POTSDAM. Ein Spitzenspiel sollte es werden an diesem Wochenende in der Fußball-Regionalliga Nord: Der Erstplatzierte SV Babelsberg sollte im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion gegen den Dritten in der Liga, den Halleschen FC, antreten. Doch die Polizei machte den Vereinen einen Strich durch die Rechnung - aus Sicherheitsgründen findet das Spiel nicht statt. Und auch andere Begegnungen müssen verschoben werden, unter anderem das Spiel zwischen Germania Schöneiche und dem BFC Dynamo. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt, es liege auch am Personalabbau.

Zwei Hundertschaften fehlen

Hintergrund ist, dass am Wochenende Hunderte Polizisten auch aus Brandenburg einen Castor-Transport von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins atomare Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben begleiten sollen. Der Transport soll vermutlich am Freitag in La Hague starten, er wird am Sonntag in Gorleben erwartet.

300 bis 350 Kräfte der Bereitschaftspolizei aus Brandenburg wurden für die Sicherstellung des Atomtransports angefordert, sagt Andreas Schuster, der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Zwei der vier Einsatzhundertschaften, die Brandenburg zur Verfügung hat, seien mit dem Castor-Einsatz beschäftigt. "Wir können keine sogenannten Großlagen mehr bewältigen", sagt Schuster.

Personal aus dem zuständigen Schutzbereich abzustellen, ist nach seiner Ansicht nicht machbar. "Das geht einfach nicht", sagt Schuster. "Man kann bei einem solchen Spiel nicht Leute aus dem Wach- und Wechseldienst einsetzen. Sie sind für solche Dinge gar nicht ausgebildet." Zudem sei die Personaldecke bei der Polizei derart ausgedünnt, dass man immer mit Engpässen rechnen müsse, erklärte der Brandenburger GdP-Chef.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Angelika Christen ist die Begegnung in Babelsberg am Sonnabend gegen den Halleschen FC als ein Spiel mit höchstem Sicherheitsrisiko eingestuft worden. "Es ist ein Spiel der Kategorie C", sagt die Polizeisprecherin. "C" wird immer dann gewählt, wenn es "besonders heiß hergehen" kann. "Einige Fans, die kommen, interessieren sich nicht für Fußball, sondern für Randale", sagt Christen.

Bei Spielen der Sicherheitsstufe "A" regelt die Polizei lediglich den Verkehr. Bei Sicherheitsstufe "B" sind die Fans "ganz gerne" mal zu Randale bereit, so die Polizeisprecherin. Bei der Sicherheitsstufe "C", die für das Spiel der Babelsberger gegen den Halleschen FC festgelegt ist, geht die Polizei davon aus, dass viele gewalttätige Fans beider Vereine zu Ausschreitungen bereit sind. Die Anhänger vom SV Babelsberg gelten eher als linksgerichtet, die Fans vom Hallenser Fußballclub sind als rechts bekannt.

Das sind nach den Erfahrungen der Polizei beste Voraussetzungen für Krawalle. "Daher haben wir beim Deutschen Fußball-Bund den Antrag gestellt, das Spiel wegen der fehlenden Polizeipräsenz zu verlegen", sagte Polizeisprecherin Christen. Der Deutsche Fußball-Bund sei der Bitte nachgekommen.

Landespokal als Ersatz

Der Geschäftsführer vom SV Babelsberg sagt, durch die Verlegung werde nicht nur die Tabelle verzerrt. Auch wirtschaftlich werde der Verein getroffen. "Wir verlieren durch die Verlegung des Spiels Einnahmen in Höhe von 20 000 Euro", sagt Ralf Hechel. "Denn wir haben für dieses Spiel mit bis zu 4 500 Zuschauern gerechnet", sagt Hechel. Jetzt soll Babelsberg am Sonnabend in einem vorgezogenen Spiel des Landespokals gegen Luckenwalde antreten, nicht unbedingt ein Reißer.

Das brisante Spiel gegen Halle soll nun am 3. Dezember, einem Mittwoch, nachgeholt werden. Wochentags reisen erfahrungsgemäß deutlich weniger Fans mit der Gastmannschaft an. Der SV Babelsberg rechnet dann mit nur noch 1 500 Zuschauern - 3 000 weniger als für das abgesagte Spiel an diesem Sonnabend.

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"Wir verlieren durch die Verlegung des Spiels Einnahmen in Höhe von 20 000 Euro." Ralf Hechel, SV Babelsberg

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Foto: Babelsberger Fans im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion. Die Polizei stuft das Regionalligaspiel am Sonnabend mit dem höchsten Sicherheitsrisiko ein.