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Pfui, Brückenspinne

Matthias Kunert

Unzählige Achtbeiner verleiden Hamburg die Freude an der Hafen-City. Gegen die Plage hilft nur VerdunklungViele Freunde hatten Spinnen sowieso noch nie unter den Menschen. Nun aber heißt es aus Hamburg, dass dort die Arachnophobie, der Ekel vor Spinnen, sprunghaft zugenommen habe. Denn eine besonders perfide Vertreterin der Klasse der Spinnentiere verleidet den Menschen dort die Freude an ihrer schönen neuen Hafen-City an der Elbe.

Dabei lassen sich die Brückenkreuzspinnen, die den Hamburgern derzeit Sorgen bereiten, kaum blicken. Sie sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gut, um nicht von Vögeln entdeckt und gefressen zu werden. Doch klebrige Reste alter Seidenfäden, leere Chitinpanzer verspeister Insekten, Überreste von Häutungen und weißer Spinnenkot auf Fensterbänken und Balkons sind deutliche Spuren der unliebsamen Mitbewohner. Unzählige der Tiere mit dem wissenschaftlichen Namen Larinioides sclopetarius haben die Hafen-City als Lebensraum erobert. Bis zu zwanzig Tiere hängen vor beleuchteten Fenstern der Wohn- und Bürogebäude und warten, dass ihnen Insekten ins Netz gehen.

Die Investoren der Hafen-City Hamburg GmbH baten deshalb die Universität Hamburg um wissenschaftlichen Rat. Für ihre Doktorarbeit hat Anja Nioduschewski nun die Spur der Spinne aufgenommen. "Sie ist überall dort zu finden, wo am Wasser gebaut wird", sagt die Biologin. Sie hat bei Zuchtversuchen im Labor herausgefunden, dass sich Brückenspinnen offenbar schneller vermehren als andere Spinnenarten. Bis zu 1 500 Nachkommen hat ein Weibchen pro Jahr. Anfang des nächsten Jahres will die Biologin ihre Forschungen abschließen. Ob sie dann ein Mittel gegen die Plage gefunden haben wird, ist aber fraglich.

Einzigartig ist die Spinneninvasion in Hamburg nicht. "Die haben wir in Berlin auch", sagt Jason Dunlop vom Naturkundemuseum. Sie mögen das Licht der Menschen, das die Insekten in die Netze lockt. "Man müsste das Licht abschalten", sagt Dunlop, "anders wird man sie nicht los".

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Foto : Die Brückenspinne bei der Arbeit