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DAS FLIEGENDE AUGE

Der Tod war ihr willkommen

Ralf Schenk

RALF SCHENK über die Melancholie der Romy Schneider und eine Filmstadt im Südosten Berlins

In Luchino Viscontis "Ludwig II." (1972) betritt Romy Schneider als Kaiserin Elisabeth von Österreich den Spiegelsaal des Schlosses Neuschwanstein. Die Kamera fährt um sie herum, und auch sie dreht sich im Kreis und beginnt zu lachen, erst leise, dann immer heftiger. "Zwischen der Sissi von einst", ließ sie wissen, "und meiner heutigen Rolle gibt es nicht die geringste Gemeinschaft. Die Sissi damals war ein junges, dummes Ding, die Kaiserin dagegen ist eine reife Frau. Ich werde diese Rolle, den Charakter dieser Frau zum ersten Mal wirklich spielen."

Weil ihr der westdeutsche und österreichische Film Ende der 1950er nicht gestattet hatte, das Sissi-Image abzulegen, war Romy Schneider nach Frankreich gegangen. Sie arbeitete mit Orson Welles und Joseph Losey, mit Chabrol und Tavernier, spielte in fast sechzig Filmen, auch in vielen zweitklassigen, die sie durch ihre Kunst nobilitierte. Als sie 40 war, wurden die Katastrophen unerträglich. Wieder ging eine Ehe in die Brüche; der Sohn starb beim Überklettern eines Eisenzauns; Steuerschulden erdrückten sie. Romy Schneider betäubte sich mit Schmerztabletten und Alkohol. Zwei Wochen vor ihrem Tod im Mai 1982 traf sie ihren Hamburger Anwalt Heinrich Senfft, der sich später erinnerte: "Die ganze Nacht erzählte sie mir von ihrem toten Kind, trank und schrieb ihr Testament." Fassbinder hätte sie gern als Rosa Luxemburg besetzt; er starb zwei Wochen nach ihr. Senfft über Romy: "Es war kein Selbstmord. Aber der Tod war ihr willkommen."

Über das alles gibt es heute viele Bücher; die neuesten sind gerade erschienen. Aber die Faszination, die von Romy Schneider ausging, lässt sich immer noch am besten durch ihre Filme selbst wieder herstellen. Sie vereinte Melancholie und zärtliches Begehren, Verwundbarkeit und rebellische Kraft. Die kühle Erotik einer schönen und klugen Frau, die um ihre Emanzipation ringt: mit den Männern, nicht gegen sie. Das Zeughaus-Kino zeigt in den kommenden Wochen, zum 70. Geburtstag von Romy Schneider, vierzehn Beispiele ihrer Kunst, darunter den "Prozess" (1965) nach Franz Kafka und Gesellschaftsstudien wie "César und Rosalie" (1972) und "Mado" (1975), die sie mit ihrem bevorzugten Regisseur Claude Sautet drehte.

Es wäre etwas übertrieben zu behaupten, dass Woltersdorf und Rüdersdorf fast eine Konkurrenz zu Hollywood geworden wären. Immerhin aber entstanden im Südosten Berlins Aufnahmen zu rund hundert Filmen. Den Anfang bildete ein kurzes Lustspiel, "Buchholzens Abenteuer im Hochgebirge", das 1908 statt in den Alpen im Rüdersdorfer Kalksteinbruch inszeniert wurde. Dann kam der legendäre Joe May, der an den Ufern von Kalk- und Heinitzsee Abenteuerfilme wie "Die Herrin der Welt" (1919), "Das indische Grabmal" (1921) und "Der Farmer aus Texas" (1923) realisierte. Eine Heerschar Statisten reiste mit der Straßenbahn an, um Fritz Lang für seine "Spinnen" (1919) zur Verfügung zu stehen. Sensationsdarsteller Harry Piel fand so viel Gefallen an der Gegend, dass er hier gleich dutzendweise kurbelte.

Daran erinnert eine Ausstellung, die ab Sonntag im Rüdersdorfer Kulturhaus zu sehen ist. Zur Eröffnung läuft Piels expressionistisch inspirierter Stummfilm "Rivalen" (1923), in dem der Held in eine versenkte Taucherglocke gesperrt wird und dann doch eine schöne Frau aus den Klauen eines wahnsinnigen Erfinders befreien kann. Man hätte auch andere, neuere Produktionen zeigen können: Immerhin wurden die Bühnenszenen von "Solo Sunny" (1980) in Rüdersdorf aufgenommen; und zuletzt bildeten die imposanten Kalksteinbrüche den Hintergrund für das Stalingrad-Spektakel "Duel - Enemy at the Gates" (2000).

Romy Schneider Zeughaus-Kino, ab Di 20 Uhr

Das märkische Hollywood Kulturhaus Martin Andersen Nexö in Rüdersdorf, ab So 16 Uhr

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Foto: Melancholisch, zärtlich, verwundbar, rebellisch: Romy Schneider (undatiertes Archivfoto).