Die Polizei-Bilanz des Abends las sich gestern so: Insgesamt wurden 13 Personen unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorläufig festgenommen. Bei neun Personen wurde die Identität festgestellt. Am frühen Abend war eine Demonstration mit gut 1 200 Menschen von Kreuzberg aus zum Rummelsburger Platz in der Nähe der Halle gezogen. Ein weiterer Aufzug war mit 120 Teilnehmern von der Revaler Straße gestartet. Weil die Polizei Straßen gesperrt hatte, gelangten etwa 300 Gäste, unter ihnen auch Boxweltmeister Wladimir Klitschko, nur über Umleitungen und damit zu spät zum Festakt.
Die Aktivisten zeigten sich gestern zufrieden mit ihrer Aktion. "Es ist nicht das letzte Mal gewesen, dass wir unseren Protest gegen die Halle äußern", sagte der Vertreter einer Gruppe namens "Spreepiraten". Diese gehören zur Initiative "Mediaspree versenken", die gegen das geplante neue Viertel Mediaspree am Spreeufer zwischen Friedrichshain und Kreuzberg protestiert. In der neuen Arena sehen sie den Kern dieses neuen Viertels. Auch in Zukunft wollen sie sich passende Ereignisse aussuchen und diese mit Aktionen begleiten. Die Konzerte der Band Metallica heute Abend und von Herbert Grönemeyer am Sonnabend, für das nun doch noch Karten ab 39 Euro unter Telefon 08 03 20 60 70 verkauft werden, sollen aber offenbar nicht gestört werden. Die Kritik der Aktivisten an der "unverhältnismäßigen Gewaltausübung" am Mittwoch wies die Berliner Polizei gestern zurück. Strafanzeigen gegen eingesetzte Polizeibeamte seien bislang nicht erstattet worden.
Mit dem Thema Mediaspree befasste sich gestern auch das Abgeordnetenhaus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kritisierte die gewalttätigen Übergriffe der Demonstranten vor der O2-World. Diese seien nicht hinzunehmen. In der Halle entstünden mehr als 1 000 neue Arbeitsplätze, weitere seien in der Umgebung geplant. Jeder, der meine, Biotope verteidigen zu müssen, sollte sich "überlegen, welcher Hohn das ist", so Wowereit. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sicherte den Investoren der Mediaspree zu, sie könnten sich auf Zusagen verlassen. Wenn die Gefahr bestehe, dass sich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht daran halte, werde der Senat eingreifen. CDU und FDP kritisierten den Senat, dass er die Planung für die Mediaspree nicht an sich ziehe. Berlin mache sich lächerlich, wenn die Spree ein Kiezgewässer bleibe, so der CDU-Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns. (mit ulp.)
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Karte: Die O2-Arena ist Kern des neuen Stadtviertels Mediaspree.
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Foto: Protest: Gut 1 200 meist junge Menschen zogen von Kreuzberg zur Eröffnung der Halle nach Friedrichshain. Das 165 Millionen Euro teure Projekt ist für viele ein Inbegriff für "Politik, die nur am Profit orientiert ist".
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Foto: Vorsorge: Feuerwehrleute beseitigten am Kottbusser Tor eine Flüssigkeit, die bei einem Demonstranten entdeckt wurde. Ob es sich wie befürchtet um Säure handelt, wird noch ermittelt. 18 Polizisten wurden vorsorglich im Krankenhaus behandelt.
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Foto: Viel Feuer und Künstler, die am besten auf dem riesigen Videowürfel zu sehen waren bei der Eröffnungsshow.