SCHÖNEBERG. Rot-grüne Prominenz gab sich gestern Abend trotz strömenden Regens vor dem Sportzentrum Schöneberg die Ehre: Gegenüber, am historischen Gasometer in der Torgauer Straße, wurde mit einem digitalen Feuerwerk Europas größte LED-Wand in Betrieb genommen. Nicht nur der Bundestagsabgeordnete Klaus-Uwe Benneter (SPD) war zur Premiere gekommen, auch der sozialdemokratische Ex-Senator Peter Strieder sowie Stadtbaudirektor a. D. Hans Stimmann. Selbst der frühere grüne Außenminister Joschka Fischer schaute vorbei, "aus rein privatem Interesse", wie er sagte. Dass seine Partei im Bezirk die Riesen-Leuchtwand kritisiert hatte, kommentierte Fischer so: "Die Grünen sind halt eine höchst lebendige Partei."
Insgesamt 27 500 Leuchtdioden auf einer Bildschirmfläche von 20 mal 33 Metern sorgen dafür, dass auf dem Gasometer in 78 Meter Höhe Werbefilme laufen können. Es sollen aber auch Beiträge aus Kunst und Kultur gezeigt werden. Kostenfreie Sendezeit wurde der Aktion "Gesicht zeigen - für ein weltoffenes Deutschland" eingeräumt. Schirmherr ist Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Fünf Jahre lang will die Ströer Megaposter GmbH den sogenannten Nightscreen, der mit der Dämmerung ein- und der Morgenröte ausgeschaltet wird, betreiben. Die Einnahmen, rund drei Millionen Euro, sollen der Sanierung des Industriedenkmals zu Gute kommen. So besagt es der Vertrag, den das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit dem Eigentümer, der Firma Denkmalplus abgeschlossen hat.
Firmenchef Reinhard Müller hatte im vergangenen Jahr nicht nur den Gasspeicher gekauft, sondern auch 60 000 Quadratmeter des früheren Gasag-Geländes an der Torgauer Straße. Dort soll ein Europäisches Energieforum entwickelt werden. Mittels der eigens gegründeten Euref AG sollen für 500 Millionen Euro auf dem Areal Büros, Firmenrepräsentanzen und eine private Energie-Universität entstehen.
Für diese scheint der Standort aber nicht mehr der einzig mögliche. Ein Konzept für eine solche Einrichtung wurde von der Bucerius Education GmbH entwickelt, Tochter der Zeit-Stiftung. Für die Realisierung des sogenannten Global Energy Institute wurde im Juli eine gemeinnützige GmbH gegründet. Sprecher Wolfgang Stock: "Es werden alle Möglichkeiten geprüft, in Berlin einen repräsentativen und praktischen Standort zu finden." Das Flughafengebäude in Tempelhof beispielsweise sei "eine sehr interessante Option". Manuela Damianakis, Sprecherin von Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagt: "Eine solche Einrichtung können wir uns dort gut vorstellen."
Energieforum-Investor Reinhard Müller ficht das nicht an, sagt er: "Konkurrenz macht uns stark." Er sei vom Standort Schöneberg überzeugt. Weil die Dimensionen seiner Planungen im Bezirk umstritten waren, wird er am Mittwoch im Stadtplanungsausschuss eine abgespeckte Variante vorstellen - das höchste Gebäude soll statt 65 Meter nur noch 45 Meter aufweisen. Baubeginn soll im Frühjahr 2009 sein.
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Foto: 27 500 Leuchtdioden sorgen am Gasometer für bewegte Bilder. Europas größte LED-Wand wird in der Dämmerung ein- und am Morgen ausgeschaltet.