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VERLAGE

Buchdruck auf Bestellung

Jörg Sundermeier

Die Nachricht, dass große Publikumsverlage zukünftig Teile ihres Programms als Print-on-Demand-Titel anbieten wollen, überraschte in der Buchbranche kaum jemanden. Erstaunt war man allerdings darüber, wer diesen Schritt als erster wagte - der Suhrkamp Verlag ließ in dieser Woche mitteilen, künftig ältere Titel der Reihen "edition suhrkamp" und "suhrkamp taschenbuch wissenschaft" auf diesem Wege ständig lieferbar halten zu wollen. Gemeinsam mit der großen On-Demand-Druckerei BoD kann man solche Titel demzufolge künftig eigens für sich selbst anfertigen lassen. Eine individuelle Widmung wäre sogar auch möglich.

Das On-Demand-Drucken funktioniert ähnlich einer Kopiermaschine - man gibt einen elektronischen Datensatz ein, die Maschine druckt digital und bindet. So kann man kleine Auflagen oder eben auch Einzelexemplare verfertigen. Erst ab einer Stückzahl von mehreren hundert Büchern lohnt sich der klassische Buchdruck. Beim Drucken auf Bestellung entfallen auch alle Lagerkosten.

Die On -Demand-gedruckten Bücher sind inzwischen kaum schlechter als die auf herkömmliche Weise gefertigten Bücher. Sogar gebundene Bücher sind im Angebot. Kunden sind in erster Linie Verlage oder Selbstverleger, erst danach wird an die Buchkäufer in der Buchhandlung gedacht. Das Drucken also kann individualisiert werden. Manch einer träumt bereits davon, eine solche Druckmaschine gleich in den Buchhandlungen aufzustellen. Der Kunde soll dort, vielleicht sogar per Geldeinwurf, ein "Automatenbuch" ordern können, das dann nach wenigen Minuten in die Ausgabebox plumpst.

Das klingt zukunftsorientiert und pfiffig, und die Gutenberg-Galaxis scheint vor einer neuen Revolution zu stehen, wenn selbst renommierte Verlage diese Drucktechnik adaptieren. Einen Haken allerdings hat die Sache - angesichts der neu aufkommenden elektronischen Lesegeräte sieht dieser Schritt in die Zukunft schon wie ein Schritt in die Zukunft von gestern aus. Gerade im Wissenschaftsbereich werden die elektronischen Lesegeräte das klassische gedruckte Buch weitgehend verdrängen. Wer will das morgen schon wieder veralte Soziologiebuch auf Papier kaufen, wenn es man mithilfe seines Lesegerätes das Update für einen geringeren Preis kaufen kann? Das Buch ist endgültig im digitalen Zeitalter angekommen, was nicht das Ende des gedruckten Buches bedeutet, doch wird sich einiges verändern. Der On-Demand-Druck war ein Vorbote der digitalen Revolution, und wird noch lange Zeit ältere Leserkreise mit Texten auf dem geliebten Papier versorgen. Die wahre digitale Revolution jedoch beginnt mit den neuen Lesegeräten.