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Immer unterwegs

Der Journalist und Weltreisende Gerd Ruge wird 80

Ralf Mielke

Wer künftigen, von Youtube-Schnipseln und Handy-TV geprägten Generationen den Idealtypus des Auslandskorrespondenten erklären will, der kann auf Archivbilder von ihm nicht verzichten: wie er, glatt rasiert und mit noch vollem dunklen Haar vor dem Weißen Haus in Washington steht; wie er, in den 70ern, als Zeitungsreporter in Mao-Montur chinesische Bauern interviewt; wie er in Moskau 1991, ergraut und mit Vollbart, fast 72 Stunden am Stück über den Putsch gegen Gorbatschow berichtet; wie er später für Reportagen nach Afrika, nach Afghanistan, nach Georgien reiste; wie er nebenbei das Nuscheln zur Stilform erhob, die russische Fellmütze in Westdeutschland populär und hellblaue Oberhemden fernsehtauglich machte.

Er, das ist Gerd Ruge, einst ARD-Korrespondent in Moskau, in Washington und noch weitere zwei Male in Moskau. Dazwischen leitete er die ARD-Redaktion für internationale Konferenzen und berichtete für die überregionale Welt aus China. Er war WDR-Chefredakteur und Chef der Sendung "Monitor", obwohl er Chef-Sein gar nicht so sehr mochte, wie er später einmal meinte. Da war er schon einige Jahre im Ruhestand. Aber was heißt schon Ruhestand für einen wie ihn. Irgendwie ist er immer unterwegs. Heute wird Gerd Ruge 80 Jahre alt.

Lebenslang neugierig

Ruhe- und rastlos sei er, sagen Kollegen über ihn. Er nennt es lieber Neugierde, was ihn immer wieder in fremde Länder fahren lässt. Neugierde auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, aber vor allem Neugierde auf die Menschen, die dort leben. Schon als Korrespondent hielt es ihn nicht in den Hauptstädten. Er reiste in den 60ern durch den Süden der USA, als sich dort die Emanzipationsbewegung der Schwarzen zu bilden begann. Als Russland-Korrespondent fuhr er bis ins östliche Sibirien und nach Afghanistan, als die damalige Sowjetunion das Land besetzt hatte.

Nach seiner Pensionierung 1993 hat er den konsequenten Blick auf die Menschen und deren Alltag in vielen Reportagen vertieft. "Gerd Ruge unterwegs" heißt die Reihe, für die er in unregelmäßigen Abständen durch die Welt reist, ins südliche Afrika, noch einmal nach China und Sibirien, auf den Balkan, in die Rocky Mountains. Ganz bewusst verzichtet er dabei auf üppige Landschaftsbilder, die seine Cutterin "auch immer gerne drin haben würde", wie er einmal in einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte, "und die ich dann immer wieder rausschmeiße". In dem selben Interview erklärte er, für ihn sei es wie eine Befreiung gewesen, nach seiner Zeit als Korrespondent auf seinen Reisen ganz normale Menschen zu treffen.

Sein typisches Nuscheln hat er sich bis heute bewahrt. "Ich finde, wenn man zu deutlich spricht, hat das so etwas Lehrerhaftes", meint er. Und "jeder Journalist sollte aufpassen, dass er es mit dem pädagogischen Ehrgeiz nicht übertreibt".

Nuscheln Sie weiter, Gerd Ruge.

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Seine Stationen

Gerd Ruge wurde 1928 in Hamburg geboren. Im Alter von 20 Jahren begann er seine journalistische Karriere als Redakteur beim damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Seine erste Auslandsstation war 1950 Jugoslawien.

1956 ging Ruge als ARD-Korrespondent nach Moskau, 1964 in die USA. 1970 übernahm er die Leitung des WDR-Studios in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn, 1972 ging er für Die Welt nach China, 1977 wieder für die ARD nach Moskau.

Von 1981 an moderierte er das Politik-Magazin "Monitor" in der ARD. In den Jahren 1984/85 war er WDR-Fernsehchefredakteur. Doch den Reporter zog es wieder ins Ausland. 1987 ging er noch einmal als Studioleiter für die ARD nach Moskau.

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Foto (3) :

Rastlos: Gerd Ruge vor wenigen Tagen in seiner Wahlheimat München.

Drei Mal, insgesamt 13 Jahre lang, war Gerd Ruge für die ARD als Korrespondent in Moskau.

Intermezzo bei der "Welt": In den 70er-Jahren berichtete Ruge für die überregionale Tageszeitung aus China.