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Zwei Unterschriften

Belgrader Zeitungen publizieren einen Vertrag zwischen Karadzic und Holbrooke

Norbert Mappes-Niediek

GRAZ. Radovan Karadzic sei von den Amerikanern verraten worden, heißt es aus dem Umfeld des als Kriegsverbrecher angeklagten bosnischen Serbenführers. Zum Beweis veröffentlichten mehrere Belgrader Zeitungen gestern einen Vertrag von einer A4-Seite Länge, der die Unterschriften von Karadzic und dem damaligen US-Sondergesandten Richard Holbrooke trägt, aber nicht datiert ist. In dem Papier verpflichtet sich Karadzic, innerhalb von 90 Tagen aus allen Staats- und Parteifunktionen zurückzutreten und sich aus dem öffentlichen Leben vollständig zurückzuziehen. Im Gegenzug versprechen die USA, die "Autonomie" von Karadzics Serbischer Demokratischer Partei zu achten und "keinen direkten oder indirekten Einfluss" auf ihre Führung zu nehmen.

Nach diesem mutmaßlichen Vertrag, dessen Echtheit bisher allerdings nicht überprüft worden ist, verpflichteten sich die USA ferner zur Zahlung von 600 000 Dollar, um Karadzic für sechs Jahre den gewohnten Lebensunterhalt zu sichern. Zudem stellten sie ihm ein "Wohnobjekt" zur Verfügung, sowie mindestens sechs Leibwächter. Holbrooke soll im Namen der USA auch versprochen haben, Karadzic von jeder "Gefährdung seiner Sicherheit" zu unterrichten. Eine Strafverfolgung durch das Haager UN-Tribunal wird in dem Text nicht erwähnt. Das Abkommen solle so lange gelten, bis es einvernehmlich oder aber "auf Initiative der USA" aufgehoben würde.

Dass es ein Abkommen dieses Inhalts gegeben haben soll, bestätigte am Wochenende auch der frühere bosnische Außenminister Muhamed Sacirbegovic, Muslim und seinerzeit ein enger Verbündeter der USA. Als Quelle nannte er den US-Diplomaten Robert Frowick. Der Ex-Außenminister der Republik Srpska in Bosnien, Aleksa Buha, verriet sogar, wann der Text unterzeichnet worden sein soll: in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 1996. "Ich war dabei", sagte Buha. Tatsächlich trat Karadzic am 2. Juli 1996 von allen politischen Funktionen zurück. Buha wurde damals sein Nachfolger.

Holbrooke hatte in der vergangenen Woche in einem Interview gesagt, alle Gerüchte über den Schutz Karadzics vor Strafverfolgung seien "Lügen", die er nicht mehr kommentieren wolle. Francis Boyle, Rechtsprofessor an der Universität Illinois, will den damaligen Sonderunterhändler von US-Präsident Bill Clinton nun als "Komplizen des Völkermords" verklagen.

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"Ich habe mit Karadzic damals ein hartes Geschäft ausgehandelt." Richard Holbrooke, früherer US-Sondervermittler