Vielleicht liegt es ja an Tom Buhrow. Vor einem Monat hat er in den "Tagesthemen" einen Beitrag über die neue amerikanische Botschaft in Berlin anmoderiert. Dagegen ist nichts zu sagen, nur leider hatte die im Hintergrund eingeblendete US-Flagge einen weißen Streifen zu viel. Das kann passieren, manche Zeitungen schreiben ja manchmal auch Tom Buhro statt Tom Buhrow. Allerdings gab es erst zehn Tage zuvor eine Flaggenpanne in den "Tagesthemen" - wieder mit Tom Buhrow mit w. Diesmal betraf es die deutsche Fahne: Zum Bericht über das EM-Halbfinale Deutschland-Türkei leuchtete etwas in Rot-Schwarz-Gold statt in Schwarz-Rot-Gold hinter Buhrow.
Jetzt ist es schon wieder passiert. Am Sonntagabend berichteten die "Tagesthemen" über Welt-Aids-Konferenz und Kämpfe zwischen Hamas und Fatah, alle Fahnen und Farben waren in Ordnung, dann gab Tom Buhrow mit w weiter an seine Kollegin Susanne Daubner mit den Nachrichten. Wolfgang Clement und sein SPD-Ausschluss, CSU-Huber und die Atompolitik, alles richtig, Massenpanik in Indien, Formel 1 und Deutsches Traber-Derby, nichts auszusetzen, aber dann: "Wie soeben gemeldet wird, ist der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn gestorben", las Daubner kurz vor elf vor, hinter ihr ein Bild des russischen Literaturnobelpreisträgers und die Schlagzeile: Alexander Soschenizyn gestorben. Soschenizyn. Hier fehlte kein dickes w, das ist bei Solschenizyn auch schwierig, sogar für die "Tagesthemen", sondern ein schlankes l.
"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß", wusste einst der Nationalspieler Andreas Brehme zu berichten. Wer jemals Fußball gespielt hat oder bei den "Tagesthemen" arbeitet, weiß um die Wahrheit dieses Satzes. Andy Brehme war nicht nur ein gefürchteter Außenverteidiger, mindestens ebenso furchtlos waren seine Erkenntnisse über Fußball, Gott und die Welt. Der Satz "Von der Einstellung her stimmt die Einstellung" gilt nämlich nicht nur im Fußball, sondern auch im Nachrichtenjournalismus. Sein "Das Unmögliche möglich zu machen, wird ein Ding der Unmöglichkeit", bezog sich zwar auf das Rückspiel nach einem 1:5 im Uefa-Cup und sollte die "Tagesthemen"-Mannschaft jetzt keinesfalls demotivieren. Deshalb noch ein letzter echter Brehme: "Ich sage nur ein Wort: vielen Dank!"
Und nach Hamburg: viel Glück.
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Foto: Solschenizyn ohne l