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STADTBILD

Lasst es leuchten!

Peter Brock

PETER BROCK

meint, dass zu einer Metropole auch Werbung gehört.

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Ein Leben ohne Leuchtreklame. Sicher, das geht. Man muss nur mal nach Dandong reisen und über den Fluss schauen. Dort, am anderen Ufer des Yalu, ist es dunkel. Jede Nacht. Stockdunkel. Kein Coca-Cola-Rot, das strahlt, kein O2-Blau, das glitzert. Nichts.

Den Gegnern der Leuchtreklame am Schöneberger Gasometer zu unterstellen, sie wollten Zustände wie in Nordkorea - das liegt nämlich gegenüber dem chinesischen Dandong auf der dunklen Fluss-Seite - führte zu weit. Das wollen sie sicher nicht. Und doch kann man annehmen, hätten sie gerne ein bisschen eine andere Welt. So wie auch die Mediaspree-Versenker, die nicht nur gegen Arbeitsplätze, Hotelbetten, Restauranttische und Hochhausappartements wettern, sondern auch gegen die bereits leuchtenden Werbetafeln der O2-Arena. So eine kuschelweiche, sorgenfreie Welt wäre nett, denken sie wohl, eine, die die Moral des guten Menschen von Sezuan verbindet mit schickem iBook und kühlem Becks, auch wenn das vom Inbev-Konzern kommt. Egal. Da kann man ja 'ne Ausnahme machen. Sonst aber haben Firmen und Investoren als verdächtig zu gelten. Alle. Sie wollen uns doch bloß unser schönes Berlin, das sich in manchem Kiez ja wirklich anfühlen mag wie Wetzlar oder Wuppertal, wegnehmen. Weil sie in ihren Madrider, Londoner und New Yorker Büros denken, dass Berlin eine Metropole ist. Eine, in der es lohnt zu investieren. Eine aufstrebende mit Zukunft. Dann wollen sie auch noch ihre Leuchtzeichen setzen allüberall und uns mit Werbebotschaften manipulieren. Unerhört!

Dass die öffentliche Hand die Sanierung ihrer alten Tore, Häuser und Bäder seit Langem schamlos mit Werbung finanziert, ist selbstredend was anderes. Genauso wie der Times Square in New York und der Piccadilly Circus in London. Was dort leuchtet, ist Kult. Nicht Kommerz. Natürlich! Seite 19