BERLIN. Bund und Länder wollen ein neues Milliardenpaket für die Hochschulen schnüren. Das verabredeten die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern am Mittwoch in Berlin. Unter anderem planen sie, den Elite-Uni-Wettbewerb und den Hochschulpakt für zusätzliche Studienplätze fortzusetzen. Der Pakt für Forschung und Innovation soll neu aufgelegt werden. Eine Erhöhung der Mittel ist im Gespräch. Die neuen Projekte sollen in die Grundsatzerklärung für den Bildungsgipfel mit Kanzlerin Merkel im Oktober in Dresden aufgenommen werden, teilte die Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach der Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz mit.
Am gleichen Tag schlugen wichtige deutsche Wirtschaftsvertreter eine Neuordnung der Hochschulfinanzierung vor. "Wir wollen die Fehllogik des Systems verändern", sagte Michael Hüther, Direktor des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Er stellte das neue Modell gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der Arbeitgebervereinigung (BDA) und dem Bundesverband Deutscher Industrie (BDI) vor.
Das Modell sieht vor, dass Bund und Länder einen Gutscheinpool von fünf Milliarden Euro einrichten, um Anreize für die Ausbildung von Studenten zu schaffen. "Zur Zeit profitieren einige Länder, etwa Bayern, vom Fachkräfteimport", sagte Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes. "Es ist viel billiger, Studenten in anderen Bundesländern ausbilden zu lassen und sie dann als akademische Arbeitsplätze abzuwerben." Berlin hat etwa 27 600 auswärtige Studenten mehr, als eigene Absolventen in andere Länder gehen. Investitionsanreize seien dringend nötig, so die Wirtschaftsvertreter. Sie verweisen auf die Erhöhung der Studentenzahlen durch doppelte Abi-Jahrgänge.
4,5 Milliarden Euro sollen die Länder in den Gutscheinpool zahlen. Wie viel jedes Land beiträgt, richte sich danach, "welchen Ertrag es durch gut ausgebildete Beschäftigte erwirtschaften kann". Weitere 500 Millionen werden vom Bund als Beitrag für die Ausbildung ausländischer Studenten erwartet. Jeder Student soll einen Gutschein von jährlich 2 500 Euro erhalten und an seiner Hochschule einlösen.
Bis zu 9 400 Euro Schulden
Die Autoren schlagen vor, nach Schweizer Vorbild drei Kostengruppen zu bilden und die Gutscheine nach dem Leistungspunkte-System (Credit Points) abzurechnen, und zwar für die Dauer eines Bachelor- und Masterstudiums, auch berufsbegleitend. Außerdem empfehlen sie, flächendeckend Studiengebühren zu erheben, etwa 1 000 Euro pro Jahr und Student. Diese sollen vollständig in zusätzliche Lehrkräfte und Betreuer fließen.
Das Modell soll auch sozial schwächere Studenten fördern. Ein "Bildungsbudget" für jeden Studenten ist vorgesehen. Die monatlich etwa 120 Euro sollen aus dem bisherigen Kindergeld und Steuerfreibeträgen kommen. Auch will man gezielt Bafög-Zuschüsse und günstige Studienkredite vergeben, um ein Studium ohne Nebenjobs und Elternabhängigkeit zu erreichen. Am Ende sollen Absolventen höchstens 9 400 Euro Schulden haben.
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Grafik: Anzahl der Studierenden in Deutschland (1990-2007). Grafik: Die Zahl der Studierenden in Deutschland soll eigentlich steigen. Seit 2003 ist sie allerdings gesunken.