Als das Ende beschlossene Sache war, ließ sich der Verleger noch einmal blicken. Also trat Heinz Heinrich Bauer, der mit Programmzeitschriften (TV Movie), bunten Frauenpostillen (Bella, Das Neue) und Promi-Blättern (InTouch) sein Geld verdient, Mitte Juni vor die Mitarbeiter des Magazins Revue, um ihnen zu verkünden, dass die Zeitschrift eingestellt wird - aus wirtschaftlichen Gründen. Heute nun erscheint die Revue zum letzten Mal, und es ist ein kümmerlicher und für die Betroffenen kummervoller Abschied. Nicht einmal mehr Hochglanz-Papier wollte der Verlag für die Schluss-Nummer noch spendieren. Ausgerechnet die letzte Ausgabe werde auf schlechterer Qualität gedruckt, heißt es aus der Redaktion. Außerdem liegt dem Blatt die Zeitschrift Das Neue bei, deren Chefredakteurin sie den Revue-Käufern als künftige Alternative anpreist. Nicht gerade pietätvoll.
Dabei zählte die Revue, die 1946 als eine der ersten Nachkriegsgründungen auf den Markt kam, einst zu den meist gelesenen Magazinen der Republik. Bis in die 60er-Jahre hinein galt die Illustrierte, die damals noch im Münchener Verlag Kindler & Schiermeyer erschien, als (klein-) bürgerliches Pendant zum Stern. Es gab politische Reportagen im Blatt, in der Redaktion werkelten rund hundert Mitarbeiter. Neben der Fernseh-, der Frauen- und der Modezeitschrift lag die Revue auf den Couchtischen der Nation.
Erst als der Bauer-Verlag 1966 die Revue übernahm und mit einem seiner eigenen Magazine zur Neuen Revue zusammenlegte, vollzog die Illustrierte den Wandel hin zum einfach gestrickten, bunten Busenblättchen, das mit frivolen Bildergeschichten und Sex-Geständnissen die neue Freizügigkeit der sexuellen Revolution aufs Banal-Maß herunterbrach. In den Kioskregalen steckte sie fortan nicht mehr neben Stern und Spiegel, sondern zwischen Praline und Wochenend. Die Auflage kletterte trotzdem bis an die Zwei-Millionen-Marke.
Doch in den späten 80ern begann die Zahl der Leser zunächst langsam, dann immer schneller zu sinken. Bis 1998 fiel die Auflage auf gut 400 000 Exemplare. Seitdem hat sich die Zahl sogar noch einmal annähernd halbiert. Auch ein Komplett-Relaunch unter dem (inzwischen gegangenen) Chefredakteur Peter Bartels, der die Neue Revue zu einem People-Magazin irgendwo zwischen Bunte und Gala umbaute und das "Neue" aus dem Titel strich, half nicht mehr. Der Ruf war ruiniert und konnte auch durch Promi-Geschichten nicht mehr aufpoliert werden.
Das Ende kam für die Mitarbeiter dennoch überraschend. Aus ihrer Sicht ist es in den vergangenen Monaten wieder ein klein wenig bergauf gegangen. Die gerade erschienene, jüngste Reichweitenuntersuchung hat einen Zuwachs um 100 000 Leser ergeben. "Das ist natürlich eine Genugtuung für uns", sagt Karen Jäger. Sie ist Betriebsratsvorsitzende der Revue und verhandelt derzeit über einen Sozialplan für die 36 der zuletzt 39 Mitarbeiter. Zwei Kollegen sind bereits in Altersteilzeit, ein weiterer hat einen Job im Hause Bauer ergattert.
In der nächsten Woche stehen zwei Gespräche mit dem Verlag an. Die Erwartung, dort schon eine Einigung zu erzielen, hegt Karen Jäger nicht. Heinz Bauer sei nicht gerade als freigiebig bekannt. Immerhin können die Mitarbeiter die Büroräume in Hamburg-Harburg bis kommende Woche noch nutzen - um Bewerbungen zu schreiben. Auch danach wolle sich die Belegschaft einmal in der Woche treffen, sagt Jäger, bis für alle eine Lösung gefunden ist.
Eine winzige Hoffnung bleibt den Revue-Leuten noch. Nachdem Bauer den Vorschlag ablehnt hat, ihnen den Titel für einen Euro zu überlassen, scheint er nun offen für Investoren zu sein, die ihm das Magazin abkaufen und weiterführen. Innerhalb der nächsten ein, zwei Wochen könnte sich was tun, meint Jäger. Aber so richtig will niemand an die Wiedergeburt einer neuen Revue glauben.
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Der Imagewechsel scheiterte
Die Zeitschrift Revue erschien erstmals im Jahr 1946 und war damit eher auf dem Markt als zum Beispiel Spiegel und Stern.
Die Illustrierte wurde damals vom Verlag Kindler & Schiermeyer herausgegeben. Im Jahr 1966 erwarb der Hamburger Bauer-Verlag das Blatt und nannte es fortan Neue Revue.
Der Bauer-Verlag peppte das Magazin im Zuge der sexuellen Revolution mit frivolen Fotos und Geschichten auf. Die Auflage stieg zunächst, die Reputation blieb auf der Strecke. In den 80er-Jahren besaß die Neue Revue nurmehr den Ruf einer Sex-Postille. Schließlich wandten sich immer mehr Leser (und vor allem Leserinnen) von dem Blatt ab.
Ende der 90er-Jahre sollte der frühere Bild-Chefredakteur Peter Bartels die Neue Revue aus der Image- und Auflagenkrise führen.
Bartels formte aus dem Busen-Blatt eine Promi-Zeitschrift, den Auflagenschwund konnte aber auch er nicht nachhaltig stoppen. Zuletzt leitete Norbert Lewandowski die Revue.
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Foto: Kein Glück: Die Zeitschrift Revue wird eingestellt.