Naturschutzgebiete verbessern in vielen Entwicklungsländern auch das Leben der örtlichen Bevölkerung. Das berichten George Wittemyer von der University of California in Berkeley und seine Kollegen im Fachjournal Science. Die Forscher widerlegen damit eine Befürchtung, die noch aus Kolonialzeiten stammt. Demnach seien es nur die einheimischen Eliten und reiche Touristen, die von geschützten Naturparadiesen profitierten. Die oft arme Bevölkerung in der Nachbarschaft habe jedoch das Nachsehen, weil sie wegen der Schutzmaßnahmen das Land und seine Tiere und Pflanzen nicht mehr wie gewohnt nutzen kann.
Um diese These zu überprüfen, hat Wittemyers Team die Verhältnisse in der Umgebung von mehr als 300 Schutzgebieten in 45 Ländern Afrikas und Lateinamerikas analysiert. Die Reservate befinden sich in sehr unterschiedlichen Ökosystemen, aber alle im ländlichen Raum. Die Forscher untersuchten, wie sich die Bevölkerung in einem Umkreis von zehn Kilometern um diese Schutzgebiete im Vergleich zu der in weiter entfernten Regionen entwickelt. In der Nähe der Schutzgebiete wuchs die Bevölkerung fast doppelt so schnell wie in vergleichbaren Regionen der jeweiligen Länder. Das liege den Forschern zufolge daran, dass Reservate und ihre Umgebung oft mehr Arbeitsplätze und eine bessere Infrastruktur mit Schulen und Kliniken, Straßen und Wasserversorgung bieten.
Wittemyer und seine Kollegen schließen aus den Ergebnissen ihrer Studie, dass Naturschutz in Entwicklungsländern einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten kann. Allerdings fordern die Forscher, man müsse die Entwicklung so planen, dass der Bevölkerungsboom nicht genau die Landschaften, Tiere und Pflanzen gefährdet, die eigentlich geschützt werden sollen. (kv.)
Science, Bd. 321, S. 123
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Foto: In vielen Naturschutzparks können Anwohner das Land zum Teil weiterhin nutzen. Im kenianischen Samburu-Nationalpark (Foto) zum Beispiel tränken die Rinderhirten ihre Tiere an den Wasserstellen der Elefanten.