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Janosch auf Lesereise

In der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg eröffnet Berlins erstes öffentliches Bücherregal

Stefan Strauss

Brauchen die Bildungsbürger rund um den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg neben extra-breiten Gehwegen vor ihren teuren Altbauwohnungen nun auch noch ein öffentliches Bücherregal, aus dem sie kostenlos Romane, Krimis, Kinderbücher und Bildbände mitnehmen können? Ja. Denn die Initiatoren von Berlins erstem öffentlichen Bücherregal wohnen selber in Prenzlauer Berg. Und viele von ihnen fahren jeden Tag durch die Kollwitzstraße, wenn sie zur Arbeit nach Weißensee fahren.

Dort bildet der Verein Baufachfrau Frauen zu Tischlerinnen aus. 25 Handwerkerinnen haben im Laufe von neun Monaten fünf Bäume aus dem Grunewald gefällt, ausgehöhlt und Bücherregale daraus gefertigt. Diese stehen seit Freitag im Kreis zusammengestellt an der Kollwitz-/Ecke Sredzkistraße. Dort ist gerade mal wieder ein Gehweg verbreitert worden.

Hundert Bücher in verschiedenen Größen passen in den sogenannten Bücherwald, große Bildbände aber auch kleine Taschenbücher. Bestseller wie "Oh wie schön ist Panama!" von Kinderbuchkultautor Janosch sind dabei, auch "Suchen und Entdecken. Spiel und Spaß für Kinder". Pankows Bürgermeister brachte ein Fußballbuch zur Eröffnung mit und den Schulbuchklassiker "Galileo" von Brecht.

Etwas umständlich erklären die Baufachfrauen, ihr Projekt thematisiere die "Wertschöpfungskette Wald-Holz-Buch." Dafür zeichneten die Vereinten Nationen die Projektentwicklerinnen aus. Kommt jetzt noch der Mensch als Lesefreund hinzu, könnte die erste Büchersammlung am Straßenrand funktionieren.

So einfach wie die Holzregale könnte auch der Betrieb sein. Wer ein Buch ausrangiert, stellt es ins Regal. Wer es lesen möchte, nimmt es mit. Fertig. Doch so simpel soll es bei den Baufachfrauen nicht sein. Sie wollen Teil einer weltweiten Bücherbewegung sein, die sich Bookcrossing nennt. Wer ein Buch ausrangiert und weitergeben möchte, registriert sich auf der Internetseiten www.bookcrossers.de. Dort erhält das Buch eine Identifikationsnummer und wird freigelassen: in der Bahn, im Park, im Kaufhaus, irgendwo. Der Finder notiert anhand der ID-Nummer den Fundort im Internet, liest das Buch und setzt es wieder aus. Die Wege der Bücher sind eben unbegrenzt. Die Idee Lesen-Registrieren-Freilassen stammt aus den USA. Um die ganze Welt sollen es einige Bücher laut Datenbank schon geschafft haben. "Jeder kann das Wandern des Buches mitverfolgen", sagt Ilka Holtdorf, eine der Initiatoren von Baufachfrau.

Vorbild für das Berliner Pilotprojekt ist Bonn. Dort steht in der Poppelsdorfer Allee seit zwei Jahren ein öffentliches Bücherregal für Bookcrosser. Das Prinzip funktioniert, haben sich die Frauen erzählen lassen.

Ilka Holtdorf sagt, so werde es auch in Berlin sein. "Wir werden bestimmt eher zu viele Bücher haben als zu wenige." Schließlich wohnen um die Regale herum die Bildungsbürger vom Prenzlauer Berg und die besitzen nun mal viele Bücher.

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Foto : Klappe auf, Buch raus: Künftig können Passanten die Holzfächer in den Stämmen mit ausrangierten Büchern füllen oder sich eins herausnehmen.