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EM 2008

Holland ist nicht Bielefeld

Warum Ribéry und Toni, die heute aufeinander treffen, bei der EM nicht so glänzen wie in München

Markus Lotter

BERLIN. Die Bayern haben Paul Breitner vorgeschickt. Der sprach ganz laut: "Domenech macht ihn einen Kopf kleiner und somit kaputt." Und weil es ums Kapital der Münchener, um den Garanten für nationale Titel, weil es eben um den Franzosen Franck Ribéry geht, grantelte der Berater des Vorstandes energisch weiter. "Wir", sagte der 56-jährige Breitner und schielte damit auch ein klein wenig über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinaus, " ... wir lieben Franck Ribéry doch so, weil er uns mit seinem Spiel so unglaublich viel Freude vermittelt. Er ist abhängig von seiner Lust." Und da komme jetzt so ein Trainer und stellt ihn irgendwo hin. Breitner glaubt zu wissen, was Franck Ribéry sich in diesen Tagen immer wieder fragt, nämlich: "Was soll ich denn hier bei der Europameisterschaft?" Immerhin freue sich der 25-Jährige deshalb schon jetzt wieder "auf Bayern und die Arena".

Einer von vielen

Verwunderlich, dass von den Münchnern noch keine Verteidigungsreden für ihren anderen Starspieler zu vernehmen waren. Keine Schelte gegen Roberto Donadoni, dem Trainer der Squadra Azzurra, beispielsweise oder gegen die Flügelspieler der Italiener, weil die nicht maßgerecht flanken. Ihr Luca Toni (31), mit 24 Treffern Torschützenkönig in Deutschland, hat nämlich immer noch nicht für Italien getroffen, und kommt heute Abend in die Verlegenheit, dass er in einer Art Endspiel der Gruppe C um den Einzug ins Viertelfinale auf seinen Münchener Freund Ribéry trifft. Auf Grund der ungewöhnlichen Situation ist es sogar möglich, dass beide rechtzeitig beim Trainingsauftakt unter Jürgen Klinsmann am 29. Juni mit dabei sein können.

In München durfte Ribéry in der vergangenen Saison spielen, wo und wie er wollte. Das bedeutete zumeist links, Trainer Ottmar Hitzfeld entband den 25 Millionen teuren Einkauf zudem von allen taktischen Vorgaben. Ribéry wurde zu Bayerns Liebling. Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech dagegen setzt ihn bei der Europameisterschaft wie bei Weltmeisterschaft 2006 ein. Also mal auf dem rechten Flügel, wie beim 0:0 zum Auftakt gegen Rumänien, oder wie beim spektakulären 1:4 gegen die Niederlande in der Zentrale hinter Stoßstürmer Thierry Henry. Niemand stört sich daran in Frankreich und Ribéry hat seine Aufgaben im Gegensatz zu seinen Kollegen auch recht ordentlich erfüllt, sagte aber: "Das zählt nichts, wenn wir unsere Spiele nicht gewinnen."

Ribérys Wirkungslosigkeit lässt sich nur zum Teil mit seiner Positionierung erklären. Offensichtlich hat Ribéry seine blendende Form aus München mit in die Schweiz und nach Österreich retten können, er wirkt keineswegs überspielt, ist voller Leben, doch das Spiel ist in der Equipe tricolore grundsätzlich nicht so auf ihn zugeschnitten wie in München. Hier bekommt er nicht so viele Zuspiele, hier ist er nur einer von vielen, und noch lange nicht so respektiert wie der große Zinedine Zidane, den dann doch alle schmerzlich vermissen. Arsenal Londons Trainer Arsène Wenger, der in diesen Tagen als TV-Experte unterwegs ist, brachte es auf den Punkt: "Wenn die Franzosen früher in Schwierigkeiten waren, dann war es ihre Angewohnheit, den Ball zu Zidane zu spielen."

Und dann gibt es da noch einweiteres Problem für Ribéry und Toni in diesen Tagen. Viel geschickter und kompakter standen Rumänien und Holland als Duisburg oder Bielefeld, weitaus kompromissloser fuhr Rumäniens Razvan Rat gegen Franck Ribéry dazwischen als - man will an dieser Stelle keine Namen nennen und damit einem Bundesligaspieler zu nahe treten.

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Logiktrainer: Wer erreicht in der Gruppe C das Viertelfinale?

Die Holländer sind bereits qualifiziert, sie stehen vor der letzten Partie gegen Rumänien (Dienstag, 20.45 Uhr) als Gruppensieger fest. Im Viertelfinale trifft Oranje auf den Zweiten der Gruppe D: Schweden oder Russland. Würde Holland gegen Rumänien verlieren, scheiden Frankreich und Italien aus, sie könnten dann nicht mehr Platz zwei erreichen.

Rumänien ist im Viertelfinale

... bei einem Sieg gegen Holland, als Gruppenzweiter

... bei einem Remis gegen Holland, wenn Frankreich und Italien Remis spielen

... bei einer Niederlage gegen Holland mit weniger als drei Toren Differenz, und 0:0 bei Frankreich - Italien

... bei einer höheren Drei-Tore-Niederlage als 0:3, und 0:0 bei Frankreich - Italien.

Italien ist im Viertelfinale

... bei einem Sieg des amtierenden Weltmeisters gegen Frankreich, wenn Rumänien nicht gegen Holland gewinnt.

... bei einem Remis gegen Frankreich (außer 0:0), wenn Rumänien gegen die Niederlande verliert

... bei einem 0:0 gegen Frankreich, wenn Rumänien gegen die Niederlande 0:3 oder höher verliert.

Frankreich ist im Viertelfinale

... bei einem Sieg gegen Italien in Zürich (20.45 Uhr, ZDF), aber nur, wenn Rumänien nicht gegen die Niederlande gewinnt.

Sollten die Niederlande zeitgleich in Bern gegen Rumänien Remis spielen oder verlieren, ist der Weltmeister von 1998 und zweimalige Europameister (1984 und 2000) ausgeschieden.

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Foto: Franck Ribéry hat bei dieser EM viel versucht, bisher ist ihm nur wenig gelungen. Es droht ihm mit den Franzosen das Aus in der Vorrunde.