Angehörige der linksautonomen Szene haben in der Nacht zu gestern in Berlin vermutlich 14 Autos in Brand gesetzt. Das ist der bisherige Höhepunkt einer Serie von Anschlägen der letzten Tage. Die Polizei befürchtet, dass es noch mehr Randale und brennende Autos geben wird. Deshalb sind Beamte in den kommenden Nächten verstärkt in der Innenstadt unterwegs - vor allem in Zivil.
Der polizeiliche Staatsschutz glaubt, dass die Täter aus der Hausbesetzerszene kommen, die in dieser Woche bundesweit zu so genannten "Freiräume-Aktionstagen" aufgerufen haben. Dabei soll es um den Erhalt "alternativer" Kultur- und Wohnprojekte gehen, gegen Aufwertung von Wohngebieten und Bauprojekte wie Mediaspree. Nach Erkenntnissen der Polizei reisten Autonome auch tatsächlich nach Berlin.
Flaschen und Steine flogen
Vor den Brandanschlägen vom Dienstag gab es in Mitte Tumulte, als rund 300 Polizisten am Michaelkirchplatz ein Haus räumten. Das seit Jahren leer stehende Haus der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi war gegen 18 Uhr von Demonstranten besetzt worden. Nach Angaben von Verdi-Bundessprecher Günter Isemeyer wurde "auf Forderung der Polizei" Strafantrag gestellt, sowohl von Verdi als Noch-Eigentümer als auch vom neuen Besitzer. "Wir haben eine Treuepflicht gegenüber dem Käufer, der in dem Haus bereits saniert."
Nachdem der Antrag eingegangen war, drangen Polizisten gegen 21 Uhr in das verbarrikadierte Haus ein und nahmen 19 Besetzer fest. Sympathisanten vor dem Haus warfen Steine und Flaschen auf die Beamten. Nach der Räumung demonstrierten in Kreuzberg hunderte Sympathisanten der Besetzer. Danach begann die Randale: Zwischen 23.30 und 2.20 Uhr wurden in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg acht Autos und drei Papiercontainer angezündet, sechs daneben stehende Fahrzeuge wurden durch die Flammen beschädigt. Betroffen waren Marken, die für die Randalierer den Kapitalismus verkörpern: Audi, BMW, Mercedes und Porsche. Die Polizei nahm zehn mutmaßliche Randalierer fest. Unter ihnen sind zwei 19 und 22 Jahre alte Frauen. Sie werden verdächtigt, für einen Teil der Brandstiftungen verantwortlich zu sein. Eine der Festgenommenen wohnt in dem autonomen Wohnprojekt "Rigaer 94" in Friedrichshain.
Als die meisten Festgenommenen wieder frei waren, luden die Hausbesetzer gestern zur Pressekonferenz vor das ehemals besetzte Haus: "Es wird weitere Hausbesetzungen geben", sagte ein junger Mann im roten T-Shirt, der sich David nannte. Das Zerstören von Autos Unbeteiligter bezeichnete er bei der gestrigen Pressekonferenz als "legitime Reaktion" von Menschen, die der Polizeigewalt "hilflos gegenüberstehen".
Party im Mauerpark
Die Polizei rechnet mit weiteren Zwischenfällen - etwa am Sonntag im Mauerpark. Für diesen Tag untersagte der Bezirk Pankow dort eine geplante Hiphop-Party gegen Stadtumstrukturierung unter dem Motto "Fuck Yuppies". Eines der Hassobjekte der Autonomen steht nicht weit weg: Am Sonnabend eröffnet dort ein Immobilienunternehmen seinen Verkaufsraum für neue eingezäunte Stadtvillen in der Schwedter Straße. Die Organisatoren der Party verkündeten nun, ihre Veranstaltung in der näheren Umgebung "durchzuziehen". Die Polizei kündigte an, hart durchzugreifen. (mit mm.) Seite 21
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Schwerpunkt Friedrichshain-Kreuzberg
Die Tatorte der Brandanschläge auf Autos in der Nacht zu Mittwoch waren Engeldamm, der Lausitzer Platz, die Fischerinsel, die Wrangelstraße, die Libauer-, Kopenhagener-, Ueckermünder-, Liebig- und Holzmarktstraße.
Seit Jahresbeginn zählte die Berliner Polizei bis gestern 29 Brandanschläge auf Autos. insgesamt wurden dabei 41 Autos zerstört oder beschädigt. Im vergangenen Jahr waren es um diese Zeit 55 Anschläge.
Der Schwerpunkt der Brandanschläge liegt in Friedrichshain und Kreuzberg (sieben bzw. neun Mal). Die meisten geschädigten Autos gehörten Privatpersonen, zwei waren Polizeiautos, vier gehörten einem Ordnungsamt.
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Foto: Die Feuerwehr musste in einer Nacht 14 brennende Autos löschen.