Kennen Sie den Undertaker? Oder Brian Major? Ashley? Rey Mysterio? Keine Angst, dies ist jetzt kein Test über Allgemeinwissen. Aber wer diese Leute nicht kennt, muss sich eingestehen, dass er seine Kinder nicht versteht. Mysterio und Co. sind Wrestler, Leute also, die in einem Boxring rumspringen und so tun, als würden sie sich fürchterlich wehtun. Deren Bilder prangen auf runden Spielsteinen, die wie Poker-Jetons aussehen.
Zumindest auf Schulhöfen Friedenaus und Charlottenburgs - und sicher anderswo auch - nehmen diese Wrestling-Chips so viel Aufmerksamkeit ein, dass trotz herannahender Fußball-EM selbst Panini-Klebebildchen keine Chance haben. Und was machen die Kinder mit den Chips? Sie versuchen durch geschickte Würfe den gegnerischen Chip zu erobern. Besonders begehrt sind die mit einer hohen Punktzahl. Dann gibt es auch noch goldene Chips, wobei man wissen muss, dass mancher Goldene auch weniger Punkte haben kann. Ach, es ist kompliziert. Jedenfalls kommt es vor, dass ein Erstklässler morgens mit einer Handvoll Spielsteine das Haus verlässt. Und am Ende des Tages hat er keinen mehr, weil er an einen Sechstklässler geriet, der entweder geschickter oder stärker oder beides ist. Erste Schulklassen und ganze Horte haben das Treiben jetzt schon verboten.
Ein bisschen mysteriös bleibt zudem, wenn "verlässliche Quellen" melden, dass zum Beispiel in Kreuzberg niemand diese Wrestling-Chips kennt. Eine Nachfrage in einem Kaufhaus in Mitte hinterließ ebenfalls nur fragende Verkäuferinnen-Gesichter.
Das, was wir Erwachsene jedoch verstehen, ist: Ein Päckchen mit vier Wrestling-Chips, die übrigens total schnell kaputt gehen, kostet 1,50 Euro, ist aber im ganzen Kiez ausverkauft. Also erstehen genervte Eltern einen Beutel mit zehn Chips für 5 Euro, und natürlich ist dann dieser alles entscheidende Rey Mysterio wieder nicht dabei. So könne man sich in der Schule nicht blicken lassen, hört man dann. Erwachsene sind aber auch viel zu ignorant.