ROM. Das Leben von Nicola Tommasoli endete in der Nacht zum 1. Mai. Der 29-jährige Industriedesigner hatte das Pech, in der Innenstadt von Verona gemeinsam mit zwei Freunden einer Gruppe von weit jüngeren Männern in die Hände zu fallen, die der Skinhead-Szene angehören und offensichtlich auf Krawall erpicht waren. Nach einer Tour durch mehrere Lokale in der Altstadt verlangten die fünf jungen Männer auf der Piazza delle Erbe in "aggressivem Tonfall", wie es einer der Freunde des Opfers berichtete, nach einer Zigarette. Weil Tommasoli diesem Wunsch nicht nachkam, schlugen ihn die jungen Männer so schwer zusammen, dass er ins Koma fiel und nicht mehr aufwachte. Am Montagabend erklärten die Ärzte ihn für tot.
Einer der Täter, Raffaele Delle Donne, stellte sich freiwillig der Polizei und gestand seine Beteiligung an der Tat. Der 19-Jährige, der noch in die Schule geht, habe nie töten wollen, erklärte sein Anwalt, sondern ein Streit sei eskaliert.
Zwei seiner Kumpanen wurden noch in der Tatnacht festgenommen. Die letzten beiden wurden in der Nacht zu gestern auf dem Flughafen von Bergamo gefasst. Der Polizei zufolge haben auch die beiden 19 und 20 Jahre alten Männer ein Geständnis abgelegt, jegliches politische Motiv aber abgestritten.
Allerdings ist von mindestens drei der jungen Männer, die alle aus bürgerlichen Elternhäusern stammen, bekannt, dass sie sich im rechten Milieu bewegt haben und dass in diesem Zusammenhang auch schon gegen sie ermittelt wurde. Nach Angaben der Veroneser Polizei bestehen Verbindungen zur rechtsextremen "Veneto Fronte Skinhead", einer besonders militanten Gruppe mit rund 300 Mitgliedern, die ihrerseits wiederum beste Beziehungen zu ultrarechten Fußballclubs von Verona hat.
Die gesamte Szene, die vor allem im reichen Nordosten Italiens aktiv ist, gilt nach Einschätzung des italienischen Geheimdienstes als in hohem Maße ausländerfeindlich, rassistisch und gewaltbereit. Zwar ist die Zahl ihrer Mitglieder relativ klein, dafür ist sie aber gut organisiert und vernetzt. Ähnlich wie in anderen Ländern auch durchdringt sie die Jugendkultur immer stärker. Man trifft sich in einschlägigen Clubs oder bei Rockkonzerten, oft mit Gästen aus der deutschen Neonazi-Szene. Immer wieder kommt es auch zu Übergriffen gegen wirkliche oder vermeintliche Linke. Allein im Zentrum von Verona verzeichnete die Polizei binnen zwei Jahren 13 Vorfälle, die auf das Konto von Rechtsextremen gehen. Nicola Tommasoli dürfte zum Verhängnis geworden sein, dass er lange Haare trug.
Sein Fall beschäftigt nun ganz Italien bis hinauf in die neue rechtsbürgerliche Regierungsspitze. Denn er wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die norditalienische Neonaziszene, sondern auch auf das politische Umfeld, in dem diese agiert. Verona gehört zu den Kommunen Italiens, die von der Lega Nord regiert werden. Bürgermeister Flavio Tosi war vor seiner Wahl zum Stadtoberhaupt schon einmal wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Im Wahlkampf hat er gefordert, in Bussen für Ausländer und Italiener getrennte Eingänge einzurichten. Alle Roma hat er der Stadt verweisen, mehrere linke Kulturzentren schließen lassen. Die Veronesen bedankten sich bei den jüngsten Parlamentswahlen, indem fast 30 Prozent von ihnen der Lega Nord ihre Stimme gaben.
Tosi beeilte sich nun, den Vorfall in Verona zu verurteilen, und erklärte die Täter zu "Gesindel", gegen das die Höchststrafen verhängt werden sollten. "Jetzt müssen sie bezahlen", sagte er. Insgesamt aber versucht Italiens Rechte, die noch in dieser Woche eine neue Regierung bilden wird, den tödlichen Angriff als Einzelfall abzutun.
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"Dieser Angriff ist Ausdruck eines neuen Klimas von Intoleranz." Walter Veltroni, Oppositionsführer