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Zu links und kritisch für Nordamerika

Lehnt die FU einen politisch unliebsamen Juniorprofessor ab?

Torsten Harmsen

Unmut an der Freien Universität. Deren Präsident Dieter Lenzen herrsche "offenbar nach Gutsherrenart" und missachte das geltende Berliner Hochschulgesetz, erklärt Wolfgang Albers, der wissenschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion. Auch im betroffenen John-F.-Kennedy-Institut grummelt es.

Der Grund: Das Institut hatte nach einem geeigneten Juniorprofessor für Politik Nordamerikas gesucht. Die Berufungskommission unter Vorsitz der Professorin Margit Mayer entschied nach gründlichem Aussieben, öffentlichen Anhörungen und externen Gutachten, den Nordamerikanisten Albert Scharenberg auf den ersten Platz der Empfehlungsliste zu setzen. Diese ging im Januar an den zuständigen Fachbereichsrat. Im Mai jedoch lehnte das FU-Präsidium die ganze Liste ab und begründete offiziell: Der Erstplatzierte Albert Scharenberg sei mit 42 Jahren zu alt und nicht qualifiziert genug, um "auf Exzellenzniveau" in den Nordamerikastudien zu arbeiten. Diese sieht die FU als einen Kernbereich ihres Profils einer "International Network University".

Doch wer sollte über die nötigen Qualifikationen entscheiden, wenn nicht die Fachleute selbst? Im Falle Albert Scharenbergs war das positive Votum eindeutig. Die Gutachter berücksichtigten dabei auch das für einen Juniorprofessor "hohe Alter. Sie betonten, dass guter Nachwuchs auf dem Spezialisierungsgebiet, der Politikwissenschaft Nordamerikas, rar sei. Scharenberg ist seit Jahren Lehrbeauftragter bei den Nordamerikanisten. Außerdem, so ein FU-Wissenschaftler, sei die Altersgrenze von etwa Mitte 30 nicht verpflichtend vorgeschrieben. Andere Fachbereiche hätten durchaus 40-jährige Juniorprofessoren berufen.

Doch hinter der Ablehnung soll noch mehr stecken. Man munkelt, Präsident Lenzen habe den Namen Scharenberg gegoogelt und sei darauf gestoßen, dass dieser dem Kuratorium der Rosa-Luxemburg-Stiftung angehöre, die der Linkspartei nahesteht. Scharenberg ist auch Redakteur der kritischen "Blätter für deutsche und internationale Politik" - und damit viel zu links für den neoliberalen FU-Präsidenten, sagen Uni-Mitarbeiter, die nicht genannt sein wollen.

Lenzen schweigt dazu. Es handle sich um eine Personalangelegenheit, "zu der wir uns nicht äußern dürfen", sagt sein Sprecher. Zudem sei das Präsidium verpflichtet, "rechtswidrige Beschlüsse" zu beanstanden oder aufzuheben. Um welche Rechtswidrigkeit es genau geht - das Alter? -, wird nicht gesagt. Das Hochschulgesetz gibt vor: Neue Hochschullehrer werden auf Vorschlag des zuständigen Gremiums - also der Berufungskommission - vom Senator berufen. Andererseits sind inzwischen auch die profilgebenden Kompetenzen der Uni-Präsidenten gewachsen. Es gebe hier eine "Grauzone", so ein Mitarbeiter. Lenzen habe in letzter Zeit häufiger entschieden, Berufungslisten nicht an den Senator weiterzuleiten, auch für ordentliche Professuren.

Klarheit über seine Gründe kann der Präsident nur selbst schaffen. Der Vorgang liegt jetzt beim Berliner Senator. Schlimm wäre es, wenn weiterhin der Verdacht bestünde, die Freie Universität lehne politisch unliebsame Bewerber ab.

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Foto : Albert Scharenberg, Nordamerikanist und kritischer Autor