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Kriegsveteranen als Historiker

Kanadisches Museum passt sich politischen Forderungen an

Gerd Braune

OTTAWA. Das kanadische Kriegsmuseum in Ottawa hat sich nach einer zweijährigen Kontroverse Forderungen der Kriegsveteranen gebeugt, die Darstellung der Bombenangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg zu ändern.

Veteranenverbände hatten beklagt, sie würden durch die Präsentation zu Kriegsverbrechern gemacht, und drohten, das Museum zu boykottieren. Sie sahen Sinn und moralische Rechtfertigung ihres Dienstes in Frage gestellt. Verschwiegen werde, dass bei den Angriffen, bei denen mehr als 600 000 Deutsche ums Leben kamen, auch militärische Ziele angegriffen worden seien. Die Angriffe, die die Moral der Bevölkerung brechen sollten, hätten zudem eine wichtige Rolle bei der Planung der Landung der Alliierten in der Normandie gespielt.

Eine Schautafel, auf der es bisher hieß, "der Wert und die Moralität" der strategischen Bomberoffensive bleibe "heftig umstritten", soll nun bis Oktober geändert werden. Noch werde am Text gearbeitet, der historisch korrekt sein müsse, aber auch den Bedenken der Veteranen Rechnung tragen und ihnen gegenüber respektvoll sein solle, sagte Museumssprecherin Christina Selin der Berliner Zeitung. Cliff Chadderton, der Vorsitzende des einflussreichen Verbandes der Veteranenverbände, sagte: "Dies ist ein wirklicher Sieg für die Veteranen."

Mit der Änderung beugt sich das Museum dem Druck des kanadischen Senats. Dessen Veteranen-Ausschuss hatte sich im Juni auf die Seite der Veteranen gestellt und dem Museum empfohlen, den Text zu ändern und auf die Gefühle der Kriegsteilnehmer Rücksicht zu nehmen. Der Leiter des Museums, das offiziell nicht dem Verteidigungs- oder dem Veteranenministerium untersteht und sich als unabhängige Institution versteht, legte wenig später sein Amt nieder.

Eine vierköpfige Historikergruppe hatte noch im Frühjahr im Auftrag des Museums die Schautafel bewertet. Alle vier Experten fanden den Text sachlich korrekt, zwei von ihnen äußerten Bedenken wegen des Tons. Daraufhin beschloss das Museum, an der Darstellung festzuhalten.

Jetzt ist die Historikern Margaret MacMillan, die der Gutachtergruppe angehörte, schockiert. "Ein Museum ist kein Kriegsdenkmal", sagt sie. MacMillan sieht es als gefährlichen Präzedenzfall, dass sich ein Museum politischem Druck beugt. Es könne dazu führen, dass die Ansichten dessen Gehör fänden, der am lautesten schreie. Schon in der Vergangenheit musste das Museum mehrfach seinen Anspruch verteidigen, die Geschichte des Militärs nicht zu glorifizieren, sondern auch die dunklen Seiten zu zeigen.

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"Ein Museum ist kein Kriegsdenkmal." Margaret MacMillan, Historikerin