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Auswertungskaskaden

Volker Schlöndorff darf "Die Päpstin" nicht verfilmen, weil er die Vermischung von Film und Fernsehen kritisiert

Bert Rebhandl

Mit einem Plädoyer gegen die "unheilige Allianz" von Film und Fernsehen hat sich Volker Schlöndorff um seinen nächsten Auftrag gebracht: Die Constantin Film, die mit dem Regisseur ("Die Blechtrommel") eine Verfilmung des halbdokumentarischen historischen Romans "Die Päpstin" geplant hatte, hat die Zusammenarbeit mit ihm gekündigt. Schlöndorff will die Kündigung nun "juristisch gründlich überprüfen" lassen, verlautete am Dienstag aus dem Umfeld des Regisseurs. Schlöndorffs Aussagen seien eine filmpolitische beziehungsweise filmtheoretische Stellungnahme, die in keiner Weise gegen Constantin und die Sender gerichtet sei. "Insofern ist eine arbeitsrechtliche Antwort in Form der Kündigung sehr problematisch", hieß es. Auslöser war ein Beitrag Schlöndorffs in der Süddeutschen Zeitung vom 12. Juli.

Der Streit geht um die Rolle der Fernsehanstalten bei der Produktion deutscher Spielfilme. In mehreren Fällen, an denen die Constantin beteiligt ist, wird schon beim Drehen darauf Rücksicht genommen, dass neben der Kino-Fassung auch eine Fernsehfassung zustande kommt. So war es schon bei "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel, so soll es nun auch bei dem gerade in Entwicklung befindlichen "Baader-Meinhof-Komplex" (Regie: Uli Edel, Produktion: Bernd Eichinger) sein sowie bei der Verfilmung der Tagebücher der "Anonyma" durch Max Färberböck.

Schlöndorff kritisierte in seinem Zeitungsartikel, dass dabei die spezifischen Ansprüche an einen Kinofilm nicht mehr erfüllt werden können. Er sprach von einem "Schlag ins Gesicht der Filmgeschichte", wenn der prinzipielle Unterschied zwischen einem Film und einem Fernsehfilm nicht mehr gewahrt bleibt. "Keine einzige Sequenz kann mehr mit der für einen Spielfilm erforderlichen Sorgfalt gedreht werden, immer heißt es, für die Fernsehfassung ist das gut genug."

Für die Constantin verteidigte der Vorstand Produktion, Martin Moskowicz, nicht nur die Kündigung Schlöndorffs, sondern auch die "Auswertungskaskade", die für wichtige Projekte eine Anpassung für die Auswertung auf Video (DVD) oder im Fernsehen vorsehe. Schlöndorff habe sich in dreieinhalb Jahren der Vorbereitung für "Die Päpstin" nie über die Kofinanzierung durch das Fernsehen beklagt. Der Regisseur stellte inzwischen klar, dass seine Kritik prinzipiell gemeint war und sich nicht auf das eigene Projekt bezogen habe.

In die Kontroverse haben sich inzwischen weitere Stimmen gemischt, dabei blieb jedoch unerwähnt, dass für den weitaus überwiegenden Teil des deutschen Films die Kofinanzierung durch das Fernsehen die Regel ist, und ohne TV-Gelder die wenigsten Filme entstehen würden.

Filmhistorisch gesehen, kommt Volker Schlöndorffs Plädoyer für eine striktere Trennung zwischen Film und Fernsehen zu einem unpassenden Zeitpunkt: Denn gerade in den USA, wo der große Spielfilm immer noch am stärksten gepflegt wird, kommen wesentliche Impulse für die Branche zurzeit aus dem Fernsehen, wo die Serien de facto die Funktion des früheren B-Films und der Talenteschmiede übernommen haben.

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Foto: Volker Schlöndorff schrieb einen kritischen Artikel für die Süddeutsche Zeitung - ihm wurde deshalb gekündigt.