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Rausgeschmissen

Wie im Rathaus Lichtenberg eine Ausstellung zum Antisemitismus in der DDR behandelt wird

Lydia Leipert

In Lichtenberg gibt es Ärger um eine Ausstellung über Antisemitismus in der DDR. Die Ausstellungsmacher werfen der Bürgermeisterin Christina Emmrich von der Linkspartei/PDS vor, die Ausstellung "Das hat's bei uns nicht gegeben!" wegen missliebigen Inhalts geradezu aus dem Weg geräumt zu haben.

Seit einer Woche kann man im Bezirksamt gut 30 Infotafeln zur Judenfeindlichkeit in der DDR besichtigen - seit Mittwoch allerdings nicht mehr wie geplant im Senatssaal, sondern nur noch auf dem Flur. Dorthin ließ die Verwaltung die Ausstellung auslagern, und zwar unabgesprochen. Etliche Besucher kamen daraufhin vergeblich ins Rathaus. Dabei ist das Interesse groß. "Mehr als 100 Leute pro Tag kommen zur Ausstellung", schätzt Annette Weingartz an der Info-Theke am Eingang. Sie selbst hat manche weg geschickt, weil sie anfangs nicht wusste, dass die Ausstellung verlegt worden war.

Dabei wurden zuerst auch die Tafeln in falscher Reihenfolge aufgestellt, teilweise standen sie so eng an der Wand, dass nur eine Seite zu lesen war. Nicht einmal der Monitor, auf dem kurze Dokumentarfilme zum Thema laufen sollen, wurde dazu gestellt. Im eigentlichen Ausstellungsraum, dem Senatssaal des Rathauses, fand am Mittwoch eine Erste-Hilfe-Schulung statt. Laut Bezirksamt wurde deshalb die Ausstellung verlegt. Doch die Schulung ist längst vorbei, während die Tafeln auf dem Flur blieben. Gleichzeitig distanzierte sich die Fraktion der Lichtenberger Linkspartei/PDS samt Bezirksbürgermeisterin Emmrich in einer Presseerklärung von der Ausstellung, weil sie die Geschichte angeblich zu "einseitig" darstelle.

Heike Radvan, die Leiterin des Projekts von der Amadeu-Antonio-Stiftung, ist aufgebracht: "Das war total ärgerlich. Wir haben mühevoll die Tafeln im Senatssaal aufgebaut", sagt sie. "Uns einfach rauszuschmeißen, ohne uns zu informieren, finde ich nicht lustig." Auch die am Rathaus-Eingang ausgelegte Presseerklärung irritiert sie: "Die Linkspartei sollte weder Geschichtsrelativierung betreiben noch der Kritik auszuweichen versuchen."

Viele Besucher empfinden den Rathausflur mit Gewölbe als ungeeigneten Ort - auch wenn Tafeln und Monitor nun wieder in der richtigen Reihenfolge stehen. "Das ist hier so lieblos hingestellt", sagt einer. Andreas Pohnke vom Büro der Bezirksbürgermeisterin erklärt dazu: "Wir sind eben keine Galerie. Wir stellen nur die Räumlichkeiten zur Verfügung." Heike Radvan von der Stiftung beklagt aber, dass sich "in dieser Atmosphäre keiner die Filme ansieht".

In der ausgelegten Linkspartei-Erklärung wird den Machern unter anderem eine "einseitige Bewertung" der Vergangenheit vorgeworfen. "In der Schau wird behauptet, die DDR sei nicht antifaschistisch gewesen und hätte sich nicht mit dem Antisemitismus auseinandergesetzt", findet Bezirksbürgermeisterin Emmrich. Dem widerspricht Heike Radvan entschieden. "Wer das sagt, verdreht mutwillig die Aussage. Es geht uns um die an vielen Stellen versäumte Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus." Dies werde minutiös belegt.

Zu den organisatorischen Mängeln haben aber auch die Veranstalter beigetragen: Anfangs fehlten Hinweisschilder, auch ein Gästebuch wurde erst nach Tagen ausgelegt, ausführliches Begleitmaterial gibt es nicht - wegen "fehlender Kapazitäten", so die Organisatoren. Deshalb fotografierte Leili Breithaupt am Freitag die Tafeln kurzerhand ab; die ältere Dame ärgerte sich über die Präsentation: "Die Ausstellung hätte viel zentraler gezeigt werden können. Es geht doch um etwas Wesentliches." Projektleiterin Radvan freut sich immerhin über die große Resonanz. "Genau das wollen wir. Es besteht dringender Bedarf, über das Thema zu reden."Ein Besucher sah das wohl ebenso. Er schrieb nur zwei Worte ins Gästebuch: "Ein Anfang". (mit jan.)

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Noch bis Dienstag

Zu sehen ist "Das hat's bei uns nicht gegeben!" bis Dienstag, 24. April, wochentags von 8 bis 18 Uhr, im Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstraße 6. Nach Stationen in Eberswalde und Dessau wird die Ausstellung vom 19. Juni bis zum 13. Juli 2007 in Treptow-Köpenick zu sehen sein.

Gelegenheit zur Diskussion gibt es am 24. April, 19 Uhr, bei der Lesung der Autorin Regina Scheer im Rathaus Lichtenberg. Scheer liest aus "Im Schatten der Sterne", das die Juden-Verfolgung in der NS-Zeit thematisiert.

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Foto: In der Ausstellung: Ein MfS-Foto von 1989 zeigt das Mitglied einer "SS-Division" in Wolgast mit selbst genähter Uniform. Die Gruppe war gewalttätig und erging sich in rassistischen und antisemitischen Beschimpfungen.